EU-Exportbeschränkungen könnten Stahlrecycling unter Druck setzen

von Hubert Hunscheidt

Die Circular Metal Association (CMA) kritisiert die geplanten EU-Exportbeschränkungen für Stahl- und Metallschrotte. Anlass ist ein Mitte September 2026 vorgelegter Entwurf der EU-Kommission zur Abfallverbringungsverordnung. Dieser soll festlegen, in welche Nicht-OECD-Staaten ab dem 21. Mai 2027 nicht gefährliche Stahl- und Metallschrotte exportiert werden dürfen. Nach Angaben des Verbands fehlen auf der vorgesehenen Länderliste wichtige Absatzmärkte wie Indien, Malaysia, Thailand, Vietnam und Ägypten. Die CMA spricht deshalb von einem faktischen Exportverbot für bedeutende Drittlandsmärkte.

In einem Positionspapier mit acht Kritikpunkten wirft der Verband der EU-Kommission vor, für recycelte Metalle strengere Anforderungen vorzusehen als für andere nicht gefährliche Abfälle. Entscheidend müsse sein, ob eine umweltgerechte Behandlung im jeweiligen Empfängerland gewährleistet sei. Einen gesonderten Prüfmaßstab für Metallschrotte hält die CMA für nicht gerechtfertigt.

Fehlende Nachfrage statt Rohstoffmangel

Nach Einschätzung der CMA liegt das zentrale Problem der europäischen Recyclingwirtschaft nicht in einer unzureichenden Verfügbarkeit von Metallschrotten, sondern in der schwachen Nachfrage der Industrie. Besonders die Automobilindustrie und der Maschinenbau nähmen derzeit weniger Recyclingmetalle ab.

Als Beispiel nennt der Verband den Aluminiummarkt. Gemessen am europäischen Schrottaufkommen stünden Exporten von rund 20 Prozent Importe von etwa zehn Prozent gegenüber. Zusätzliche Exportbeschränkungen würden daher vor allem mehr Material im europäischen Markt halten, ohne entsprechende Absatzmöglichkeiten zu schaffen.

Die CMA warnt vor sinkenden Schrottpreisen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten für mittelständische Recyclingunternehmen. Bei bestimmten Schrottqualitäten könnte sich die Sammlung, Sortierung und Aufbereitung langfristig nicht mehr rechnen.

Investitionen und Rohstoffqualität in Gefahr

Negative Folgen befürchtet der Verband auch für die technologische Weiterentwicklung der Branche. Geringere Erlöse könnten Investitionen in moderne Shredder, Sensor- und Sortiertechnik bremsen. Dies würde nach Ansicht der CMA letztlich auch die europäische Stahl- und Metallindustrie treffen, die auf hochwertige Sekundärrohstoffe angewiesen ist.

„Wir teilen das Ziel, Europas Rohstoffversorgung zu sichern. Ein Exportverbot ist dafür aber der falsche Weg“, erklärt CMA-Präsident Murat Bayram. „Es schwächt genau die Unternehmen, die Europas Kreislaufwirtschaft jeden Tag möglich machen.“

Verband fordert Stärkung der europäischen Nachfrage

Die CMA fordert die EU-Kommission auf, den vorgesehenen Sondermaßstab für recycelte Metalle zu streichen. Andernfalls sollten Europäisches Parlament und Rat Einwände gegen den Rechtsakt erheben.

Statt Exportbeschränkungen spricht sich der Verband für gezielte Anreize zur Verwendung von Sekundärrohstoffen aus. Dazu zählen Leitmärkte für CO₂-arme Produkte, eine entsprechend ausgerichtete öffentliche Beschaffung sowie wettbewerbsfähige Strompreise für Elektrolichtbogenöfen und Umschmelzwerke. Auch schnellere Genehmigungsverfahren für Recyclinganlagen und weniger bürokratische Belastungen stehen auf der Forderungsliste.

Aus Sicht der CMA lässt sich die europäische Rohstoffversorgung langfristig nur sichern, wenn eine leistungsfähige Recyclingwirtschaft auf eine wettbewerbsfähige Industrie und funktionierende internationale Absatzmärkte trifft.

Quelle: CMA / BDSV - Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen e.V. / Foto: marketSTEEL