China treibt „Polar-Seidenstraße“ nach Europa voran

von Hubert Hunscheidt

China treibt seine Pläne für eine „Polar-Seidenstraße“ zwischen Asien und Europa voran. Ein chinesisches Containerschiff ist am Wochenende vom Hafen Ningbo zu einer Fahrt durch die Arktis nach Nordeuropa aufgebrochen. Die „Dubai Tower“ soll am 7. September den britischen Hafen Felixstowe erreichen. Anschließend sind Anläufe in Hamburg und im polnischen Gdynia vorgesehen.

Nach Angaben der Reederei Sea Legend soll die Fahrt nach Großbritannien nur etwa halb so lange dauern wie über die klassische Route durch den Suezkanal. Der arktische Seeweg führt durch die Beringstraße und anschließend entlang der russischen Nordküste durch den Arktischen Ozean nach Europa.

Alternative zum Suezkanal

Für den Warenverkehr zwischen China und Europa könnte die Route damit eine interessante Ergänzung zu den bestehenden Transportkorridoren darstellen. Neben der kürzeren Fahrzeit wird der Suezkanal und damit auch das von geopolitischen Konflikten betroffene Rote Meer umgangen. Gerade für zeitkritische Lieferketten zwischen asiatischen Produzenten und europäischen Abnehmern könnte eine regelmäßig bediente Arktisroute neue logistische Optionen eröffnen.

Die Verbindung ist Teil der von Peking vorangetriebenen „Polar-Seidenstraße“. Sie ergänzt Chinas langfristige Strategie, zusätzliche Handels- und Transportkorridore nach Europa aufzubauen. Nach Angaben der Reederei soll künftig wöchentlich ein Containerschiff aus China über die Arktis nach Europa verkehren.

Bislang nur saisonal nutzbar

Allerdings hat die Route erhebliche Einschränkungen. Ohne Unterstützung durch Eisbrecher können gewöhnliche Containerschiffe den arktischen Seeweg bislang nur während der eisarmen Sommermonate nutzen. Dennoch nimmt der Verkehr zu: Nachdem 2018 erstmals ein Containerschiff die Route befahren hatte, wurden im vergangenen Jahr 23 Durchfahrten registriert.

Gleichzeitig stößt die Entwicklung auf Kritik von Umweltorganisationen. Sie warnen vor den Folgen eines zunehmenden Schiffsverkehrs für das empfindliche Ökosystem der Arktis. Mehrere große Reedereien, darunter Hapag-Lloyd, MSC und CMA CGM, haben sich verpflichtet, arktische Routen nicht zu nutzen.

Für den europäischen Stahl- und Metallhandel dürfte vor allem die weitere Entwicklung der „Polar-Seidenstraße“ interessant sein. Sollte sich daraus neben den bestehenden See- und Landkorridoren eine regelmäßige Verbindung zwischen chinesischen Industriezentren und europäischen Häfen entwickeln, könnte dies langfristig auch Transportzeiten und Lieferketten im Handel mit industriellen Vorprodukten und Metallwaren verändern.

Quelle: diverse Quellen / marketSTEEL / Foto: Fotolia