Branche blickt vorsichtig nach vorn
von Hubert Hunscheidt
Auf der Frühjahrstagung in Leipzig diskutierten rund 150 Teilnehmende aktuelle Marktentwicklungen, strategische Herausforderungen und konkrete Lösungsansätze – von Markenführung über Energie bis hin zu Cybersecurity.
Trotz geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten war die Stimmung auf der Frühjahrstagung des Verbands der deutschen Drehteile-Industrie spürbar positiv. Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten in Leipzig die Gelegenheit zum intensiven Dialog. „Ich freue mich, dass wir wachsen und internationaler werden“, sagte Vorstandsmitglied Thomas Braun zur Eröffnung. In diesem Jahr kann der Verband Unternehmen aus Deutschland, Italien, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz begrüßen, darunter vier neue Mitglieder.
Bereits am Vortag setzte Dr. Matthias Schweizer von a1kommunikation mit seinem Vortrag wichtige Impulse. Er hob die Marke als verbindendes Element zwischen Unternehmen, Mitarbeitenden und Markt hervor. An konkreten Beispielen verdeutlichte er, wie konsequente Fokussierung als verdichteter Ausdruck unternehmerischer Leistungen ein glaubwürdiges Versprechen von Mehrwert schafft. Zentrales Ziel: Marke ist die DNA eines Unternehmens, und deren Sichtbarkeit ist sowohl nach innen als auch nach außen nachhaltig zu steigern.
Zwischen Stabilisierung und Druck
Zu Beginn der Tagung gaben mehrere Verbandsmitglieder Einblicke in ihre aktuelle Situation. Das Bild ist differenziert. Viele berichten von einem guten Start ins Jahr 2026 mit steigenden Auftragseingängen und Umsatzwachstum. Während einige Betriebe von neuen Projekten und höherer Auslastung profitieren, kämpfen andere mit schwankenden Abrufen und kurzfristigen Auftragseinbrüchen.
Strukturelle Herausforderungen bleiben prägend. Besonders die Kosten für Energie, Material und Werkzeuge setzen die Margen unter Druck. Der Fachkräftemangel entspannt sich punktuell, qualifizierten Nachwuchs zu finden, ist allerdings nach wie vor schwierig. Auch die Automatisierung schreitet voran, KI-gestützte Lösungen in Verwaltung und Planung sorgen für erste Effizienzsteigerungen.
Werner Liebmann, Geschäftsführer des Verbands, ergänzte das Bild mit den Ergebnissen aus einer Umfrage zum ersten Quartal 2026: „Bei der Investitionsquote haben wir einen historischen Tiefstand erreicht, Umsatz und Auftragseingang entwickeln sich moderat, während sich die Wertschöpfung stabilisiert. Positiv hervorzuheben ist die weiterhin hohe Exportquote von rund 41 Prozent.”
Externe Faktoren im Fokus
Wie stark externe Rahmenbedingungen die Branche beeinflussen, machten die Fachvorträge deutlich. Der Redner von StahlmarktConsult analysierte die Entwicklung der Vormaterialmärkte unter dem Einfluss von Regulierung und Geopolitik. Die CO₂-Bepreisung im Rahmen von CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism, auf deutsch: CO2-Grenzausgleichsmechanismus) und neue EU-Schutzmaßnahmen dürften Importe verteuern und die Versorgungslage verändern.
Thema des Vortrags von ECG Energie Consulting war die Situation an den Energiemärkten und die Bedeutung einer aktiven Beschaffungsstrategie. Auch bei volatilen Energiepreisen lässt sich Geld sparen, zum Beispiel durch gezielte Optimierung bei Netzentgelten und Abgaben. Wer zusätzlich Lastmanagement und Speicherlösungen im Blick hat, kann seine Position weiter verbessern.
Auch bei der Informationssicherheit steigt der Handlungsdruck. Der Referent von VIA Consult wies auf die neuen Anforderungen durch NIS2 hin. Diese EU-Richtlinie stärkt die Cybersicherheit und verpflichtet betroffene Unternehmen zu deutlich umfassenderen Schutzmaßnahmen, etwa bei Risikomanagement, Meldepflichten und der Absicherung von Lieferketten.
Konkrete Impulse für Gespräche mit Einkäufern lieferte der Vortrag der QP-GROUP. Es sei entscheidend den Vertrieb aktiv zu steuern – durch Kostenoptimierung, kritische Portfolioanalyse und eine klare strategische Ausrichtung. Unternehmen sollten Potenziale in wachstumsstarken Segmenten wie beispielsweise Elektromobilität, Thermomanagement oder Leistungselektronik in den Vordergrund stellen.
Ausblick und Verbandsaktivitäten
Zum Abschluss gab der Vorstand einen Überblick über aktuelle und kommende Aktivitäten. Als nächstes stehen die MTO-Days am 9. und 10. Juni in Stuttgart auf dem Programm – eine Einkäufermesse für Präzisionsteile, Auftragsfertigung und Zerspanung. Sie bietet direkten Zugang zu Entscheidern aus Maschinenbau, Automotive, Robotik und Defense. Für 2027 ist zudem der Internationale Drehteile-Kongress in Stratford upon Avon, UK, geplant. Außerdem arbeitet der Verband mit den Universitäten Dortmund und Stuttgart zusammen. In den Arbeitskreisen stehen vor allem Untersuchungen zum Zerspanungsverhalten von Werkstoffen mit unterschiedlichen Legierungsbestandteilen im Mittelpunkt.
Die Mitglieder profitieren aber nicht nur von gemeinsamen Veranstaltungen und dem Austausch. Der Verband bietet den Unternehmen auch die Möglichkeit, auf das CO₂-Berechnungs-Tool FRED und Videos zur Azubigewinnung zuzugreifen.
Quelle und Foto: Verband der Deutschen Drehteile-Industrie