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Bis 2040 stehen 726.000 Jobs in der europäischen Automobilindustrie auf dem Spiel

16. Juli 2026 von Hubert Hunscheidt

Die Lage der euro­pä­i­schen Auto­mo­bil­in­dus­trie ist aufgrund der laufenden Trans­for­ma­tion am Antriebss­trang von PKW und leichten Nutz­fahr­zeugen, schwacher Stand­ort­fak­toren und der starken inter­na­ti­o­nalen Konkur­renz drama­tisch . Demnach gehen aufgrund der aktuellen Gesetz­ge­bung in der EU, die den Umstieg auf rein batte­rie­be­trie­bene PKW bis 2035 forciert, im Bereich Produk­tion Antriebss­trang in Europa bis 2040 rund 726.000 von insgesamt rund 1,6 Millionen Arbeits­plätzen (-45 Prozent) und rund 95 Milli­arden Euro von insgesamt 250 Milli­arden Euro an Wert­schöp­fung (-38 Prozent) gegenüber 2025 in der Auto­mo­bil­in­dus­trie verloren, wenn nicht konse­quent gegen­ge­steuert wird. Der weitaus größte Teil davon erodiert innerhalb des nächsten Jahr­zehnts, bis zum aktuellen EU-Zieljahr 2035. Die Verluste in der deutschen Auto­mo­bil­in­dus­trie werden hierzu im Verhältnis über­pro­por­ti­onal ausfallen. Die Studie beziffert diese auf rund 54,2 Milli­arden Euro an Wert­schöp­fung (-64 Prozent), wobei der größere Anteil auf die Zulie­ferer entfällt (-35 Mrd. Euro / -80 Prozent Wert­schöp­fung). Eine tech­no­lo­gie­of­fe­nere Regelung – etwa mit voll­stän­diger Berück­sich­ti­gung des CO2-Minde­rungs­ef­fekts erneu­er­barer Kraft­stoffe –würde dagegen den Rückgang deutlich bremsen, wenn auch im Ergebnis nicht verhin­dern. Wird dieser Zeit­vor­teil für eine konse­quente Stärkung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Standorts genutzt, lassen sich weitere Verluste abwenden. Dies sind die zentralen Ergeb­nisse der Studie „ELAB2040: Wert­schöp­fung und Beschäf­ti­gung in der Auto­mo­bil­in­dus­trie“ des Fraun­hofer-Instituts für Arbeits­wirt­schaft und Orga­ni­sa­tion IAO im Auftrag von Gesamt­me­tall, den baden-würt­tem­ber­gi­schen und baye­ri­schen Arbeit­ge­ber­ver­bänden der Metall- und Elektro-Industrie, Südwest­me­tall und bayme vbm sowie der vbw – Verei­ni­gung der Baye­ri­schen Wirt­schaft e. V.

Die Studie zeigt in unter­schied­li­chen Szenarien, welche Auswir­kungen regu­la­to­ri­sche Vorgaben auf Beschäf­ti­gung und Wert­schöp­fung in der euro­pä­i­schen Auto­mo­bil­in­dus­trie im Bereich des Antriebss­trangs haben. Die oben genannten Zahlen beziehen sich auf die geltende EU-Flot­ten­re­gu­lie­rung, wonach im Jahr 2035 die – am Auspuff gemes­senen – Emis­si­onen um 100 Prozent (gegenüber 2021) reduziert werden müssen; danach könnten ab 2035 praktisch nur noch batte­rie­elek­tri­sche Fahrzeuge neu zuge­lassen werden. Auch die von der EU-Kommis­sion vorge­schla­gene Redu­zie­rung des CO2-Ziels auf 90 Prozent mit Kompen­sa­tion der rest­li­chen 10 Prozent durch grünen Stahl bzw. erneu­er­bare Kraft­stoffe (sog. Auto­mo­bil­paket von Dezember 2025) bremst nicht den Verlust von Wert­schöp­fung und Beschäf­ti­gung. Denn der Anteil danach in den dreißiger Jahren noch zulas­sungs­fä­higer Fahrzeuge mit Verbren­nungs­an­trieb ist viel zu klein, um eine Produk­tion am Standort aufrecht­zu­er­halten.

Solange die Bedin­gungen für eine Produk­tion in der EU im Vergleich zu den USA und insbe­son­dere China nicht wett­be­werbs­fähig sind, lassen sich die lang­fris­tigen Verluste beim Verbren­nungs­an­trieb auch nicht durch den Hochlauf batte­rie­elek­tri­scher Fahrzeuge kompen­sieren.

Um den Rückgang zu verrin­gern oder gar umzu­drehen, sind aus Sicht der Studie demnach zwei Entwick­lungen entschei­dend: Erstens muss die EU-Flot­ten­re­gu­lie­rung echte Tech­no­lo­gie­of­fen­heit gewähr­leisten, um mehr Zeit für die Trans­for­ma­tion, den Struk­tur­wandel und die Stärkung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit zu bekommen.

Zweitens muss konse­quent auf inves­ti­tions- und inno­va­ti­ons­freund­liche Rahmen­be­din­gungen gesetzt werden. Dazu gehören unter anderem die gezielte Entlas­tung ener­gi­e­in­ten­siver Indus­trien, Reformen am Arbeits­markt und ein entschlos­sener Büro­kra­tie­abbau. Nur so kann lang­fristig Beschäf­ti­gung und Wert­schöp­fung in Europa und Deutschland gehalten werden. Die Studie zeigt auf, dass unter solchen opti­mierten Bedin­gungen die Wert­schöp­fungs­ver­luste durch das Auslaufen der Verbren­ner­tech­no­logie bis 2040 nicht nur ausge­gli­chen, sondern deutlich über­kom­pen­siert werden könnten.

Oliver Zander, Haupt­ge­schäfts­führer von Gesamt­me­tall: „Die Studie beweist ein weiteres Mal, dass die Soziale Markt­wirt­schaft die Antwort ist. Es ist Aufgabe der Politik, Ziele vorzu­geben, aber sie muss den Weg dahin dem Wett­be­werb über­lassen. Plan­wirt­schaft­liche Ansätze und die Hybris von Planern, besser beur­teilen zu können, welche Tech­no­lo­gien zu wählen sind, scheitern immer wieder an den Kauf­ent­schei­dungen der Kunden. Wer glaubt, das igno­rieren zu können, der schadet den Bürgern Europas und dem Indus­tri­e­standort Europa nach­haltig. Er zerstört damit Wolhstand und gefährdet die poli­ti­sche Stabi­lität“

Bertram Brossardt, Haupt­ge­schäfts­führer der baye­ri­schen M+E-Arbeit­ge­ber­ver­bände bayme vbm: „Die Studie unter­streicht eindrucks­voll, dass unsere Forde­rungen nach Tech­no­lo­gie­of­fen­heit und wett­be­werbs­fä­higen Rahmen­be­din­gungen die richtigen Maßnahmen für den Erhalt der deutschen und euro­pä­i­schen Automobil- und Auto­mo­bil­zu­lie­fer­in­dus­trie sind. Je schneller Brüssel ins Handeln kommt, desto mehr lässt sich erreichen. Weniger regu­la­to­ri­sches Klein-Klein, mehr Flexi­bi­lität und nied­ri­gere Kosten sind zudem genau die Instru­mente, die es braucht, um die euro­pä­i­sche Wirt­schaft insgesamt stärker aufzu­stellen. Wenn sie ihr Inno­va­ti­ons­po­ten­zial wieder ausschöpfen kann, ist das zum Wohle aller. Das gilt im Übrigen auch für Deutschland: Wenn wir Wert­schöp­fung bei uns und nicht nur in der EU halten wollen, gibt es über das aktuelle Reform­paket der Bundes­re­gie­rung hinaus noch einiges zu tun.“

Oliver Barta, Haupt­ge­schäfts­führer des baden-würt­tem­ber­gi­schen Arbeit­ge­ber­ver­bands Südwest­me­tall: „Wir können den tech­no­lo­gi­schen Wandel in der Auto­mo­bil­in­dus­trie und die damit verbun­denen Konse­quenzen nicht aufhalten. Baden-Würt­tem­berg ist hiervon besonders betroffen, denn diese Industrie ist von zentraler Bedeutung für Beschäf­ti­gung und Wohlstand im Land. Die ELAB-Studie zeigt nun aber auf, wie dieser Übergang weniger abrupt gestaltet werden kann. Die gewonnene Zeit können wir nutzen, um Rahmen­be­din­gungen zu schaffen, die Zukunft­s­in­no­va­ti­onen und -inves­ti­ti­onen in Deutschland erlauben, mit denen die Verluste durch das Verbrenner-Aus kompen­siert werden. Hier stehen alle in der Verant­wor­tung: Brüssel mit einer Regu­la­torik, die die Folgen des Tech­no­lo­gie­wan­dels abfedert, die euro­pä­i­sche und die deutsche Politik mit entschlos­senen Reformen für mehr Wett­be­werbs und Inno­va­ti­ons­fä­hig­keit, im Hinblick auf die Kosten aber auch die Sozi­al­partner. Alle dürfen nur keine Zeit mehr verlieren.“

Quelle: Gesamtmetall | Gesamt­ver­band der Arbeit­ge­ber­ver­bände der Metall- und Elektro-Industrie e.V. / Foto: Lizzy Tewordt pixelio.de



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