Benteler streicht 80 Stellen in Schwandorf: IG Metall kritisiert "rigorosen Kurs"
von Hubert Hunscheidt
Der Automobilzulieferer Benteler setzt seinen angekündigten Stellenabbau am Standort Schwandorf nun konkret um. Wie die Mittelbayerische Zeitung berichtet, werden rund 80 Arbeitsplätze gestrichen. Damit fällt der Abbau zwar geringer aus als ursprünglich befürchtet, stößt bei Arbeitnehmervertretern aber dennoch auf massive Kritik.
Stammbelegschaft in der Produktion betroffen
Betroffen vom Stellenabbau ist insbesondere die Stammbelegschaft im Produktionsbereich des Automobilzulieferers. Der Standort selbst soll nach Unternehmensangaben grundsätzlich erhalten bleiben. Benteler hatte zuvor dreistellige Abbaupläne angekündigt, die nun in reduzierter Form umgesetzt werden.
Scharfe Kritik an Vorgehensweise
IG Metall und Betriebsrat bewerten den beschlossenen Stellenabbau als "rigoros" und werfen dem Unternehmen einen knallharten Kurs ohne ausreichende Rücksicht auf die Belegschaft vor. Die Arbeitnehmervertreter bemängeln, dass ihre Vorschläge zur Beschäftigungssicherung kaum oder gar nicht berücksichtigt worden seien. Sie sprechen von gescheiterten Verhandlungen zwischen Management und Arbeitnehmerseite.
Fehlende sozialverträgliche Lösungen
Besonders kritisch sehen die Arbeitnehmervertreter, dass es kein oder nur ein sehr eingeschränktes freiwilliges Programm mit Abfindungen beziehungsweise sozialverträglichen Lösungen gibt. Stattdessen müssen die betroffenen Beschäftigten mit betriebsbedingten Kündigungen rechnen, was für große Verunsicherung in der Belegschaft sorgt.
Unternehmen verweist auf Branchenkrise
Benteler rechtfertigt den Stellenabbau mit den strukturellen Problemen der Autozulieferbranche, Auftragsrückgängen und dem anhaltenden Kostendruck am Standort. Das Management argumentiert, der Abbau sei notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und den Standort Schwandorf insgesamt zu stabilisieren. Die gesamte Automobilzulieferindustrie kämpft derzeit mit rückläufiger Nachfrage, dem Umbruch zur Elektromobilität und verschärftem internationalem Wettbewerb.
Gewerkschaft kündigt weiteren Widerstand an
IG Metall kündigte an, den Druck auf das Unternehmen aufrechtzuerhalten und weiter für bessere soziale Regelungen sowie Alternativen zu Entlassungen zu kämpfen. Für die Belegschaft bleibt die Lage angespannt. Es ist mit weiteren Gesprächen, aber auch möglichen Protestaktionen und betrieblichen Auseinandersetzungen zu rechnen.
Der Fall Benteler Schwandorf reiht sich ein in eine Serie von Stellenabbaumaßnahmen in der deutschen Automobilzulieferindustrie, die unter dem strukturellen Wandel der Branche und schwacher Auftragslage leidet.
Quelle: Mittelbayerische / Foto: Benteler International Austria GmbH