Belastungsfaktoren für Industriemetalle

von Angelika Albrecht

Wie die Rohstoffexperten der Commerzbank berichten sind deit Anfang August die Industriemetallpreise wieder unter Druck. Belastend sind vor allem die Sorgen um Chinas Nachfrage. Hinzu kommt jedoch, dass einige Märkte überversorgt sind. Und das wiederum spiegelt sich in teilweise steigenden LME-Lagerbeständen wider: In den letzten Wochen und Monaten sind vor allem die an der LME registrierten Vorräte an Kupfer, Zink und Zinn deutlich gestiegen:

  • Die Kupfervorräte sind seit Mitte Juli um fast 70% gestiegen und mit gut 91 Tsd. Tonnen so hoch wie zuletzt Mitte Juni;
  • die Zinkvorräte haben sich seit Anfang Februar gut verachtfacht und sind mit gut 140 Tsd. Tonnen so hoch wie Frühjahr 2022,
  • die Zinnvorräte haben sich in diesem Zeitraum immerhin vervierfacht und sind nun mit 6.000 Tonnen so hoch wie zuletzt im Frühjahr 2020.

In Shanghai waren die Zinnvorräte bereits vom letzten Herbst bis zu diesem Frühjahr deutlich gestiegen. Sie schwanken seither bei gut 9.000 Tonnen, dem höchsten Stand seit November 2017. Am Zinnmarkt hat das zur Folge, dass der Preis am Kassamarkt laut Reuters rund 300 USD günstiger ist als der LME-3-Monatsforward; einen dermaßen hohen Abschlag hätte es seit Erfassung der Preisreihe im Jahr 1989 noch nicht gegeben.

Die hohen Lagerbestände werden wohl als mehr als reichlicher Puffer erachtet, sodass die Produktionseinschränkungen in Myanmar, mit 10% immerhin drittgrößter Anbieter von Zinn am Weltmarkt, wenig Anlass zur Sorge geben. Sollten diese aber länger andauern bzw. Lieferprobleme in Indonesien hinzukommen, könnte dies den Preis langfristig deutlich höher schieben.

Selbst niedrige Vorräte können dem Nickelpreis nicht helfen

Dass es aber keinesfalls einen monokausalen Zusammenhang zwischen Preisen und Lagerbeständen gibt, zeigt der Nickelmarkt: Die an der LME registrierten Nickelvorräte sind aktuell auf dem niedrigsten Stand seit Herbst 2007: Damals erholten sie sich schon leicht, nachdem noch etwas niedrigere Bestände zuvor den Nickelpreis im Mai 2007 auf ein Rekordhoch hatten schnellen lassen. Aktuell geben die niedrigen Nickelvorräte dagegen keinen Anlass zur Sorge: Im Gegenteil, der Nickelpreis fiel diese Woche unter 20.000 USD je Tonne auf den niedrigsten Stand seit letztem Sommer und ist mit einem Minus von 33% das Metall mit dem bislang stärksten Verlust in diesem Jahr.

Dass die Knappheit der LME-Vorräte am Nickelmarkt kaum Wirkung zeigt, erklärt sich nach Ansicht der Commerzbank-Analysten mit dem Bedeutungsverlust von Nickel der Klasse 1, und ist vielleicht auch ein wenig ein Symptom des Bedeutungsverlusts des Nickelhandels der LME: Die Handelsvolumina haben sich zwar mit der Ausweitung auf die asiatischen Handelszeiten etwas erholt, hinken aber weiterhin deutlich hinter den früheren Volumina zurück. Die Hongkonger Börse hat dennoch nochmals bestätigt, an der Zusammenarbeit mit der LME festzuhalten.


Quelle: Commerzbank AG / Commerzbank Commodity Research / Vorschaubild: Fotolia

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