Badische Stahlwerke: Trotz hoher Auslastung Jahresabschluss mit Verlust
von Hubert Hunscheidt
Die deutsche Stahlbranche steckt in einer strukturellen Krise: Hohe Energiepreise und steigende Stahlimporte aus Nicht-EU-Ländern treffen auf eine schwache Nachfrage und schrumpfende Margen in einem stark umkämpften Markt. Auch die Badischen Stahlwerke (BSW) haben dies zu spüren bekommen: Trotz hoher Auslastung der Produktion schlossen sie 2025 mit einem Verlust ab. Genutzt hat die BSW das vergangene Jahr, um sich strategisch neu aufzustellen und die Weichen für die Zukunft zu stellen. Von der Politik fordert das Unternehmen ein entschiedenes Handeln bei den Themen Energiepreise und Handelsschutz für die deutsche Elektrostahlindustrie.
„Die Ausgangslage für die Badischen Stahlwerke war auch im Jahr 2025 schwierig“, sagt Geschäftsführer Florian Glück. „Unser Absatzmarkt, insbesondere der Wohnungsbau, ist weiterhin das Sorgenkind in Deutschland und Europa. Die Zahl der Fertigstellungen von Wohnungen und Häusern bleibt deutlich hinter den politischen Zielen zurück. Das reduziert die Nachfrage nach unserem Produkt, Betonstahl, erheblich.“ Zugleich setzen weltweite Überkapazitäten und steigende Mengen an Billig-Importen aus Nicht-EU-Ländern den deutschen und europäischen Stahlmarkt unter Druck. Hinzu kommt, dass die Energiepreise und Netzkosten in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nach wie vor sehr hoch sind und energieintensive Unternehmen wie die BSW besonders belasten.
Zusammenschluss sichert Produktion
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat sich die Südwest-Gruppe, zu der auch die Badischen Stahlwerke gehören, strategisch neu aufgestellt und im Frühjahr 2025 mit der niederländischen Van-Merksteijn-Gruppe zusammengeschlossen. Die zwei Partner, beide familiengeführt, zählen zu den führenden Unternehmen im europäischen Markt: Die Südwest-Gruppe als Stahlhersteller und Drahtverarbeiter in Deutschland und dem benachbarten Ausland, Van Merksteijn als größter unabhängiger Drahtverarbeiter Europas. Am 30. April 2025 haben beide Gruppen die gemeinsame Holding Reinforcing Steel Europe B.V. gegründet.
„Durch die Zusammenführung beider Unternehmensgruppen stellen wir uns im Markt breiter und stabiler auf“, so Glück. „Wir agieren jetzt als europäische Einheit mit Standorten in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Frankreich. Das hat Vorteile auch für die Badischen Stahlwerke: Das größere Absatzpotenzial der Gruppe sichert uns bei der BSW eine hohe Auslastung unserer Produktion. Der Walzdraht, den wir hier in Kehl produzieren, wird komplett innerhalb der Gruppe weiterverarbeitet. Ein wichtiger Schritt, um die Badischen Stahlwerke zukunftsfähig aufzustellen.“
Angespannte Ertragslage trotz hoher Auslastung
Trotz hoher Auslastung der Produktion blieben die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht ohne Folgen für die Ertragslage bei den Badischen Stahlwerken: „Hohe Energiekosten und schrumpfende Margen in einem stark umkämpften Markt haben dazu geführt, dass wir selbst bei nahezu durchgängiger Werksauslastung auch 2025 unter dem Strich Verluste geschrieben haben – das dritte Jahr in Folge“, so Glück. „Für 2026 gilt daher: Wir müssen weiterhin Routinen überprüfen, Prozesse kontinuierlich optimieren und Kosten senken. Vor allem aber brauchen wir bessere Rahmenbedingungen für die Stahlproduktion in Deutschland!“
Schutz vor Billig-Importen muss effektiver werden
Rückenwind erhoffen sich die Badischen Stahlwerke von der Politik. In Brüssel liegt ein Vorschlag für ein neues Handelsschutzinstrument auf dem Tisch, das Europa besser vor Billig-Importen schützen soll. „Grundsätzlich begrüßen wir das Vorhaben“, so Glück. „In der jetzigen Form greift die Regelung aber zu kurz, weil sie Vorprodukte der Stahlherstellung wie Stahlknüppel nicht einschließt.“ Das Problem: Weiterverarbeiter könnten nach wie vor Knüppel zu Billigpreisen aus Drittländern importieren, hier zu Endprodukten umformen und diese anschließend günstig verkaufen. Zum Nachteil von Unternehmen wie den Badischen Stahlwerken, die Stahlknüppel CO2-arm in Deutschland herstellen. Der erhoffte Schutzeffekt würde damit an einer entscheidenden Stelle ins Leere laufen.
„Um die Nachfrage nach Stahl aus Deutschland und der EU wirksam anzukurbeln, brauchen wir eine ganzheitliche Handelspolitik“, erklärt Glück. „Das bedeutet einerseits einen wirksamen Außenhandelsschutz, der auch die Vorprodukte der Stahlproduktion einschließt. Auf der anderen Seite müssen wir sicherstellen, dass bei öffentlichen Aufträgen und großen Industrieprojekten Stahl aus Europa auch tatsächlich zum Einsatz kommt. Zum Beispiel durch klare Vergaberegeln, die die europäische Wertschöpfung berücksichtigen. Beides muss zusammengehen!“
Gesamtpreis für Industriestrom statt Flickwerk
Auch bei den Stromkosten sehen die Badischen Stahlwerke grundsätzlich positive Signale. Die seit Jahresbeginn geltende Entlastung bei den Netzentgelten ist aus Sicht der BSW richtig – sie gilt jedoch vorerst nur bis Ende 2026. „Damit Unternehmen wie wir wieder planen können, muss die Bundesregierung die Netzentgelte dauerhaft und verlässlich senken“, so Glück.
Doch selbst mit geringeren Netzgebühren liegt das Strompreisniveau in Deutschland spürbar über dem vieler EU-Nachbarn. Der angekündigte Industriestrompreis bringt in der aktuellen Ausgestaltung keine zusätzliche Entlastung für besonders energieintensive Unternehmen wie die Badischen Stahlwerke. Denn aufgrund europäischer Vorgaben im Beihilferecht ist er nicht mit der bestehenden CO₂-Strompreiskompensation kombinierbar. „Solange Instrumente nebeneinander stehen und sich gegenseitig ausschließen, bleibt es ein Flickwerk – das hilft der Stahlbranche nicht“, sagt Florian Glück. „Wir brauchen einen international wettbewerbsfähigen Gesamtpreis für Industriestrom, der alle Instrumente integriert. Dafür müssen zentrale EU-Beihilfebeschränkungen fallen.“
Von der Politik fordert Glück ein entschlossenes Handeln: „Der Stahlgipfel im Kanzleramt hat gezeigt, dass die Bundesregierung den Ernst der Lage erkannt hat“, sagt Glück. „Jetzt müssen auf die Bekenntnisse konkrete Taten folgen, die die Rahmenbedingungen für unsere Branche nachhaltig verbessern, für Planbarkeit sorgen und nicht am Bedarf vorbeilaufen. Nur so können wir die Zukunft der Stahlindustrie in Deutschland und auch hier am Standort Kehl sichern!“
Quelle und Foto: Badische Stahlwerke GmbH