Austausch zu Umweltlösungen für die Recycling- und Stahlbranche
von Hubert Hunscheidt
Im Gespräch mit Unternehmensvertretern und der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) wurden drei zentrale Herausforderungen für die Branche deutlich: lange und komplizierte Genehmigungsverfahren, überobligatorische nationale Regulierung und drohende Exportrestriktionen.
Modulare Lösungen sollen Investitionen beschleunigen
Das Unternehmen INORON präsentierte Systeme, die ohne aufwändige Erd- und Tiefbauarbeiten schnell einsatzfähig sind. Darunter fallen umweltgerechte Containerlagerungen, modulare Flächenkonzepte sowie mobile Waschplatzsysteme mit Kreislaufführung. Diese Lösungen sollen Genehmigungsaufwände reduzieren und gleichzeitig hohe Umweltstandards erfüllen.
"Investitionen in Umwelt- und Sicherheitsstandards sollten schneller realisiert werden können", sagte Winkelmeier-Becker. Dazu brauche es "verlässlichere, transparentere und zügigere" Genehmigungen - ohne Abstriche beim Umweltschutz.
Gold-Plating bremst Investitionen aus
Ein Schwerpunkt der Diskussion lag auf dem sogenannten Gold-Plating – der Übererfüllung europäischer Vorgaben in der deutschen Umsetzung. Guido Lipinski, Geschäftsführer der BDSV, warnte vor den praktischen Konsequenzen: „Wer Recyclingkapazitäten aufbauen will und damit auch in Bodenschutz, Emissionsminderung und sichere Lagerung investieren will, darf nicht über Jahre in Verfahren festhängen. Am Ende werden dann Genehmigungsverfahren wegen unnötigen Auflagen völlig unwirtschaftlich und abgebrochen. Damit wird Wachstum verhindert und der Standort Deutschland gefährdet".
Nach Ansicht des Verbandes könnten standardisierte, genehmigungsfreundliche Lösungen Umweltziele und wirtschaftliche Stabilität zusammenbringen. Kritisiert wird, dass nationale Umsetzungsgesetze EU-Vorgaben teilweise unnötig verschärfen – was zu längeren Verfahren, doppelten Nachweisen und höheren Kosten führt.
Jörg Kreuzer, Unternehmensgründer der INORON GmbH, betonte die praktische Dimension: „Unser Anspruch ist, den Betrieben Zeit zu sparen – nicht durch Tricks, sondern durch robuste Technik und klare Nachweise." Gerade mittelständische Unternehmen benötigten Planungssicherheit für ihre Investitionen.
BDSV warnt vor Exportrestriktionen
Ein weiteres Thema waren mögliche Exportbeschränkungen für Stahlschrott. Der BDSV lehnt solche Maßnahmen als industriepolitisches Instrument ab. Exporte seien notwendig, um Qualitäten und Mengen abzunehmen, die der europäische Markt nicht aufnimmt, und trügen zur Preisstabilität bei. Nach Verbandsmeinung könnten Handelsbeschränkungen die wirtschaftliche Basis der Stahlrecyclingbranche schwächen und Investitionen in Recyclingkapazitäten gefährden – ohne die strukturellen Probleme der Stahlproduktion (Kosten- und Wettbewerbsdruck) zu lösen.
Fortsetzung des Austauschs geplant
Winkelmeier-Becker signalisierte Verständnis für die Branchenperspektive: Der Besuch habe gezeigt, „welche Argumente sich nicht alleine durch Nachdenken ergeben, aber logisch sind, wenn man sie so einordnet." Der Austausch soll fortgesetzt werden – sowohl zu Genehmigungsverfahren als auch zur Bewertung außenhandelspolitischer Maßnahmen.
Bildtext (v.l.): Verena Kreuzer-Fechner, INORON-Geschäftsführerin; Elisabeth Winkelmeier-Becker MdB, Guido Lipinski, BDSV Geschäftsführer; Jörg Kreuzer, INORON-Unternehmensgründer.
Quelle: BDSV - Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen e. V. / Foto: Mark Kreuzer/INORON GmbH