ArcelorMittal und Moeve bündeln Kräfte für CO₂-armen Stahl

von Hubert Hunscheidt

ArcelorMittal und der spanische Energiekonzern Moeve wollen gemeinsam neue Technologien für die Dekarbonisierung der Stahlindustrie entwickeln. Unter dem Namen „Green Molecules to Green Steel“ (G2G) entsteht eine gemeinsame Innovationsplattform, an der beide Unternehmen zu jeweils 50 Prozent beteiligt sein werden. Voraussetzung sind noch die erforderlichen behördlichen Genehmigungen.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sogenannte grüne Moleküle für eine emissionsärmere Stahlproduktion eingesetzt werden können. Dazu zählen Biomethan und Biogas, erneuerbarer Wasserstoff und dessen Derivate sowie Biokraftstoffe der zweiten Generation. Darüber hinaus sollen unter anderem effizientere Katalysatoren untersucht werden.

Ziel ist es, neue Verfahren zunächst in industriellen Demonstrationsanlagen zu erproben und erfolgreiche Technologien anschließend in den Produktionsmaßstab zu überführen. Die Plattform soll mit eigenen Mitteln der Partner sowie öffentlicher Förderung finanziert werden. Die asturische Agentur für Wissenschaft, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Innovation Sekuens will das Vorhaben unterstützen. Eine spätere Beteiligung weiterer öffentlicher und privater Partner ist vorgesehen.

ArcelorMittal setzt auf gemeinsame Technologieentwicklung

Die Forschungs- und Innovationszentren von ArcelorMittal und Moeve sollen das technologische Fundament der Plattform bilden. Zu den Arbeitsfeldern gehören neben grünen Energieträgern auch CO₂-Abscheidung und -Nutzung, Biotechnologie sowie der Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Entwicklung neuer Materialien und Produktionsverfahren.

ArcelorMittal will dabei ausdrücklich auf ein offenes Innovationsmodell setzen. Start-ups, Universitäten und Technologiezentren sollen in die Entwicklung neuer Lösungen einbezogen werden.

„Angesichts der Komplexität der Herausforderung werden wir sie niemals alleine lösen können“, erklärte Pinakin Chaubal, Vice President und Chief Technology Officer von ArcelorMittal. Entscheidend seien deshalb kollaborative Innovationsmodelle, um Technologien für eine ökologisch und gleichzeitig wirtschaftlich nachhaltige Produktion möglichst schnell zur industriellen Reife zu bringen.

Spanien als Standort für CO₂-arme Stahlproduktion

Für ArcelorMittal knüpft die Partnerschaft an bestehende Dekarbonisierungsprojekte in Spanien an. Das Unternehmen betreibt dort zwei wichtige XCarb-Projekte für emissionsärmeren Stahl. In Sestao wird XCarb-Stahl aus recycelten und erneuerbaren Quellen für Flachprodukte hergestellt, während der Standort Gijón auf entsprechende Lösungen für Langprodukte ausgerichtet ist.

Mit G2G wollen ArcelorMittal und Moeve nun zusätzliche technologische Wege untersuchen, um die CO₂-Emissionen industrieller Prozesse zu reduzieren und gleichzeitig deren Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Neben der Dekarbonisierung steht damit auch die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie im Mittelpunkt.

Quelle und Foto: Moeve S.A.