ArcelorMittal steigert Profitabilität – Europa profitiert von neuem EU-Handelsschutz

von Hubert Hunscheidt

Der Stahl- und Bergbaukonzern ArcelorMittal hat im zweiten Quartal 2026 ein EBITDA von 2,1 Milliarden US-Dollar erzielt und damit seine widerstandsfähige Ertragskraft in einem weiterhin anspruchsvollen Marktumfeld unterstrichen. Das EBITDA je Tonne lag bei 155 US-Dollar und damit deutlich über dem historischen Durchschnitt. Der Nettogewinn belief sich auf 700 Millionen US-Dollar, entsprechend einem Ergebnis je Aktie von 0,90 US-Dollar.

Besonders positiv entwickelte sich das Europageschäft. Das EBITDA je Tonne stieg gegenüber dem Vorquartal um 28 US-Dollar. Nach Einschätzung des Unternehmens zeigen die seit dem 1. Juli geltenden neuen EU-Zollkontingente (TRQ) in Kombination mit dem Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) bereits erste Wirkung. Die verbesserte Wettbewerbssituation habe zu einer stärkeren Nachfrage geführt und ermögliche die Wiederinbetriebnahme von Produktionskapazitäten. Für das dritte Quartal erwartet ArcelorMittal stabile bis leicht steigende Liefermengen in Europa – entgegen dem sonst üblichen saisonalen Rückgang. Auch für das zweite Halbjahr rechnet der Konzern in allen Geschäftsbereichen mit höheren Auslieferungen als im ersten Halbjahr.

Robuste Finanzbasis und hoher Cashflow

Trotz Investitionen in das Working Capital und Kapitalrückführungen an die Aktionäre stieg die Nettoverschuldung nur leicht auf 9,5 Milliarden US-Dollar. Die verfügbare Liquidität beträgt weiterhin komfortable 10,4 Milliarden US-Dollar.

Im ersten Halbjahr erwirtschaftete ArcelorMittal einen bereinigten Free Cashflow von 500 Millionen US-Dollar, nachdem 800 Millionen US-Dollar in strategische Wachstumsprojekte investiert wurden. Für das Gesamtjahr bestätigt der Konzern seine Investitionsplanung von 4,5 bis 5,0 Milliarden US-Dollar, davon bis zu 1,9 Milliarden US-Dollar für strategische Projekte.

Wachstum durch Indien, Elektroband und erneuerbare Energien

ArcelorMittal sieht sich für die kommenden Jahre gut positioniert. Neben dem weiteren Ausbau der Aktivitäten im Wachstumsmarkt Indien prüft der Konzern zusätzliche Downstream-Investitionen in Brasilien sowie eine Erweiterung der Eisenerzkapazitäten in Liberia. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Elektrobandstählen für die Elektromobilität und den Ausbau der Stromnetze. Entsprechende Projekte laufen bereits in Europa und den USA.

Auch das Geschäft mit erneuerbaren Energien soll weiter ausgebaut werden. Dieses Segment gehört zu den zentralen Wachstumsfeldern der Sparte Sustainable Solutions, deren EBITDA sich bis 2028 gegenüber 2023 verdoppeln soll.

Strategische Projekte sollen Ergebnis nachhaltig steigern

Die laufenden organischen Wachstumsprojekte sowie abgeschlossene Akquisitionen sollen das jährliche EBITDA des Konzerns ab 2026 dauerhaft um rund 1,8 Milliarden US-Dollar erhöhen. Gleichzeitig setzt ArcelorMittal seine Kapitalrückführung konsequent fort. Im ersten Halbjahr flossen bereits 700 Millionen US-Dollar über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre. Nach der teilweisen Veräußerung der Beteiligung an Vallourec rechnet das Unternehmen damit, die angekündigte Mindestausschüttung im Gesamtjahr zu übertreffen.

CEO: Europa gewinnt wieder an Wettbewerbsfähigkeit

Vorstandsvorsitzender Aditya Mittal sieht den Konzern auf einem nachhaltigen Wachstumskurs. Die Kombination aus den neuen TRQ-Regelungen und CBAM schaffe wieder fairere Wettbewerbsbedingungen für die europäische Stahlindustrie. Gleichzeitig würden die umfangreichen Investitionen in Zukunftsmärkte wie Elektrifizierung, erneuerbare Energien und KI-Infrastruktur die Ertragsqualität des Unternehmens weiter verbessern.

Anlässlich des bevorstehenden 20-jährigen Bestehens von ArcelorMittal am 1. August betonte Mittal, dass sich der Konzern durch gezielte Investitionen in attraktive Stahl- und Bergbaumärkte sowie eine disziplinierte Kapitalallokation eine starke Ausgangsposition für die kommenden Jahre geschaffen habe.

Quelle: ArcelorMittal / Foto: marketSTEEL