Arbeitgeberverband Stahl weist Fünf-Prozent-Forderung der IG Metall zurück

von Hubert Hunscheidt

Der Arbeitgeberverband Stahl hat die Forderung der IG Metall nach fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt für die Beschäftigten der nordwestdeutschen Stahlindustrie scharf kritisiert. In einer Stellungnahme vom 2. November bezeichnet der Verband die Forderung angesichts der wirtschaftlichen Lage der Branche als nicht vertretbar und lehnt eine entsprechende Erhöhung kategorisch ab.

Zur Begründung verweist der Verband auf die anhaltende Strukturkrise der deutschen Stahlindustrie. Allein in Nordrhein-Westfalen seien mindestens 14.000 der insgesamt 41.000 Industriearbeitsplätze in der Stahlbranche vom Abbau betroffen. Die IG Metall selbst spreche von der tiefsten Strukturkrise der jüngeren Geschichte.

Nach Auffassung der Arbeitgeber gefährden weitere Kostensteigerungen die ohnehin geschwächte Wettbewerbsfähigkeit der Stahlunternehmen. Neben hohen Energiepreisen und handelspolitischen Veränderungen spielten insbesondere die Lohn- und Lohnzusatzkosten eine wichtige Rolle. Diese lägen in Deutschland durchschnittlich um 15 bis 20 Prozent über dem europäischen Mittel, so der Verband.

Arbeitgeber warnen vor weiteren Arbeitsplatzverlusten

Der Arbeitgeberverband wirft der IG Metall vor, die Bedeutung der Personalkosten für die wirtschaftliche Situation der Unternehmen zu unterschätzen. Die Gewerkschaft argumentiere unter anderem damit, dass diese lediglich zehn Prozent der Gesamtkosten ausmachten. Diese Darstellung weist der Verband ausdrücklich zurück.

Zugleich kritisieren die Arbeitgeber, dass die Gewerkschaft ihre Forderung auf die Erwartungen der Beschäftigten und die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung stütze. Ein solcher Ansatz werde den strukturellen Problemen der Stahlindustrie nicht gerecht.

Der Verband betont allerdings, dass ein Tarifabschluss auch die berechtigten Interessen der Beschäftigten berücksichtigen müsse. Entscheidend sei jedoch, dass die vereinbarten Leistungen für die Unternehmen wirtschaftlich tragbar blieben.

Frank Koch, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Stahl, erklärte dazu: „Ein sozial ausgewogener und zugleich wirtschaftlich vertretbarer Tarifabschluss wird angesichts der Lage der Industrie dieses Mal besonders schwer zu erreichen sein. Gefragt ist mehr denn je Verantwortung auf beiden Seiten. Bloße Erwartungshaltungen sind lösungsschädlich.“

Mit dieser Positionierung zeichnet sich bereits vor Beginn der Tarifverhandlungen ein deutlicher Konflikt zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern ab. Während die IG Metall höhere Einkommen fordert, sieht die Arbeitgeberseite angesichts des Kostendrucks und des Stellenabbaus kaum Spielraum für zusätzliche Belastungen.

Quelle: Arbeitgeberverband Stahl e.V. / Foto: Fotolia