17 Millionen Euro für Zukunft der Stahlproduktion

von Hubert Hunscheidt

Die finnische Stahlindustrie erhält einen wichtigen Impuls für ihre Transformation hin zu einer klimafreundlichen Produktion. Im Rahmen des Forschungsprojekts Future Sustainable Electric Steel Mill (FutSteel) entwickeln die Universität Oulu und SSAB gemeinsam mit zahlreichen Forschungs- und Industriepartnern neue Konzepte für die Stahlherstellung auf Basis elektrischer Energie. Das Projekt verfügt über ein Budget von 17 Millionen Euro, ist Teil des finnischen Leitprogramms „Sustainable World through Steels“ und läuft über einen Zeitraum von drei Jahren.

Im Mittelpunkt steht die Entwicklung einer vollständig neu gedachten Prozesskette, in der die Elektrostahlproduktion mit Elektrolichtbogenöfen (Electric Arc Furnace, EAF) mit modernisierten Warmwalzprozessen kombiniert wird. Gleichzeitig sollen fossilfreie Energielösungen und neue Rohstoffkonzepte integriert werden. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen die Grundlage für die Umstellung des SSAB-Stahlwerks im finnischen Raahe auf eine CO₂-arme Stahlproduktion schaffen.

Hintergrund des Projekts ist der tiefgreifende Wandel der weltweiten Stahlindustrie. Während die klassische Hochofenroute auf Kohlebasis erhebliche CO₂-Emissionen verursacht, gewinnen Elektrostahl, Recycling und wasserstoffbasierte Produktionsverfahren zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig stellen strengere Klimaziele, veränderte Energiesysteme und neue Anforderungen an die Rohstoffversorgung die Branche vor grundlegende Herausforderungen.

Das FutSteel-Projekt untersucht deshalb nicht nur den Austausch einzelner Anlagen, sondern die Neugestaltung der gesamten Produktionskette. Ziel ist es, neue elektrische Produktionsverfahren so mit bestehenden Walzprozessen zu verbinden, dass die hohe Qualität anspruchsvoller Stähle sowie die Lieferfähigkeit der Industrie erhalten bleiben. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Herstellung hochfester Stähle unter den Bedingungen einer CO₂-armen Produktion.

Nach Einschätzung der Projektpartner besitzt das Vorhaben auch erhebliche klimapolitische Bedeutung. Die Stahlindustrie zählt zu den größten einzelnen Emittenten Finnlands. Die Umstellung eines großen integrierten Stahlwerks auf elektrische und wasserstoffbasierte Verfahren könnte die gesamten CO₂-Emissionen des Landes um bis zu sieben Prozent senken.

Neben der Universität Oulu und SSAB beteiligen sich die Forschungseinrichtungen VTT und Åbo Akademi sowie zahlreiche Industrieunternehmen an FutSteel. Zu den Partnern zählen unter anderem Coolbrook, Ovako, Hycamite, Otanmäki Mine, Strategic Resources, Titanor, Carbo Culture, Convion und Nordkalk. Die Forschungsergebnisse sollen direkt in die industrielle Transformation der finnischen Stahlproduktion einfließen und den Weg für eine wettbewerbsfähige, emissionsarme Stahlherstellung ebnen.

Quelle: University of Oulu / Foto: Fotolia