PWO: Präzision, Leichtbau und Smart Factory – Automobilzulieferer mit globalem Anspruch

von Dagmar Dieterle-Witte

Die PWO AG ist ein international tätiger Automobilzulieferer mit Hauptsitz in Oberkirch, Baden-Württemberg. Das 1919 gegründete Unternehmen beschäftigt weltweit über 3.200 Mitarbeitende an 11 Standorten weltweit.

PWO entwickelt und fertigt hochpräzise Metallkomponenten und Systeme in Leichtbauweise für die Automobilindustrie. Dazu gehören etwa Komponenten für Airbags, Sitze und Lenksysteme, mechanische Komponenten für Elektrik und Elektronik sowie Strukturteile für Karosserie und Fahrwerk – alle immer vollständig antriebsunabhängig.

Die Gruppe ist auf komplexe Umform- und Verbindungstechnologien spezialisiert und produziert in Großserie Bauteile aus Stahl, Edelstahl und Aluminium. Neben dem Hauptsitz in Oberkirch betreibt PWO 10 weitere Produktionsstandorte in Kanada, China, Mexiko, Tschechien, Serbien und USA. Mit ihrer Expertise gilt die Gruppe als Innovations- und Technologieführer in der Metallverarbeitung für sicherheitsrelevante und komfortsteigernde Automobilkomponenten.

Auf der Blechexpo 2025 in Stuttgart sprach marketsteel mit Charlotte Frenzel (Corporate Communications & Investor Relations) und Marius Gerhardt (Business Development) über Innovation, Internationalisierung und die Smart Factory von morgen.

marketSTEEL: Wenn Sie PWO in einem Satz beschreiben würden – wie würde dieser lauten?

Marius Gerhardt: Technologische Grenzen testen und verschieben. Das trifft es ziemlich gut.

Welche drei Hauptbereiche stehen bei PWO derzeit im Fokus?Charlotte Frenzel: Auf unserem Messestand sprechen wir drei zentrale Themen an: Thermomanagement, Akustik und kosteneffizienten Leichtbau. Diese Schwerpunkte beleuchten exemplarisch, wo in unserer technologischen Entwicklung derzeit viel passiert.

marketSTEEL: Sie werben mit einem End-to-End-Ansatz für Ihre Kunden. Wie sieht das konkret aus?

Gerhardt: Wir sehen uns als „Full-Service-Supplier“. Darunter verstehen wir, dass wir ganzheitlich denken. Entwicklung, Simulation und Fertigung sind bei uns eng verzahnt. Entscheidend ist, den Gesamtprozess zu verstehen – nicht nur bei uns, sondern auch bei unseren Kunden. Dadurch können wir unsere Lösungen optimal an die Verbauprozesse unserer Kunden anpassen.

marketSTEEL: Der Begriff „Time-to-Market“ spielt in Ihrer Kommunikation eine wichtige Rolle. Was verstehen Sie darunter?

Frenzel: Die Verkürzung von Entwicklungszeiten. Wenn wir frühzeitig in die Konstruktionsphase eingebunden sind, können wir schon am Computer simulieren, wie eine optimale Umformung und ein effizienter Fertigungsprozess aussehen. So sind viele Abläufe bereits virtuell getestet, bevor wir in die physische Produktion gehen – das verkürzt die Entwicklungszeit erheblich.

marketSTEEL: Sie sprechen auch von „Smart Factory“ – was bedeutet das bei PWO konkret?

Gerhardt: Smart Factory ist für uns mehrstufig. Schon in der virtuellen Produktion simulieren wir Abläufe, bevor reale Anlagen zum Einsatz kommen. Mithilfe digitaler Zwillinge können wir Prozesse nachbilden und optimieren, ohne physische Ressourcen zu beanspruchen. Das spart Zeit, Kosten und ermöglicht eine sehr hohe Präzision.

marketSTEEL: PWO ist weltweit vertreten. Wie ist das Unternehmen global aufgestellt?

Frenzel: Wir haben aktuell elf Standorte in sieben Ländern auf drei Kontinenten. Das Headquarter ist in Oberkirch, zusätzlich produzieren wir in Tschechien und Serbien für den europäischen Markt. In Nordamerika sind wir mit Standorten in Kanada, Mexiko und USA vertreten, in China mit zwei Werken. So können wir unsere Kunden weltweit überall dort beliefern, wo sie uns brauchen.

marketSTEEL: Welcher Standort spielt derzeit die wichtigste Rolle?

Frenzel: Der Hauptsitz ist in Oberkirch – dort wurden wir gegründet und sind seit über 100 Jahren ansässig. Starken Zuwachs verzeichneten wir zuletzt in Nordamerika, Wachstumstreiber sind aktuell vor allem unsere Standorte in Osteuropa. Wir konzentrieren uns nicht auf eine einzelne Region, sondern wollen weltweit an allen Standorten stark aufgestellt sein.

marketSTEEL: In welchen Branchen sind Ihre Kunden hauptsächlich tätig?

Gerhardt: Unser Fokus liegt zu annähernd 100 Prozent auf der Mobilitätsindustrie – von Pkw über Nutzfahrzeuge bis hin zu neuen Mobilitätskonzepten. Einige Anwendungen finden inzwischen auch außerhalb dieses Sektors Verwendung, doch unsere Kernkompetenz bleibt die Fahrzeugtechnik.

 

Fotos: marketSTEEL