KI, die sich rechnet – von der Analyse bis zur Serie

von Dagmar Dieterle-Witte

Interview mit Christian Gebert-Janssen, Gründer und Geschäftsführer von Industry AI Engineering

KI wird in der Stahl- und Metallverarbeitung vor allem dort interessant, wo Fehler früh erkannt, Prozesse stabilisiert und Qualitätsdaten systematisch ausgewertet werden. Über Potenziale, Wirtschaftlichkeit und den Weg in die Serie sprachen wir mit Christian Gebert-Janssen. Er kommt aus der Gießerei- und Produktionspraxis – über ein Jahrzehnt Führungsverantwortung in der Metallverarbeitung – und entwickelt heute mit Industry AI Engineering KI-Lösungen für die Branche.

marketSTEEL: Herr Gebert-Janssen, wenn ein Betrieb zum ersten Mal über KI nachdenkt – wo fangen Sie an?

Gebert-Janssen: Bewusst nicht bei der Technik. Die erste Frage lautet immer: Wo geht eigentlich das Geld verloren? Erst wenn man das weiß, lohnt sich das Gespräch über Werkzeuge. Ich sage gern: „Der teuerste Fehler ist nicht der, den man macht – sondern der, den man zu spät bemerkt.“ Genau dort liegt das Potenzial, in den Verlusten, die heute niemand richtig sieht.

marketSTEEL: Welche Prozesse fallen Ihnen dabei typischerweise als Erstes auf?

Gebert-Janssen: Über alle Stufen hinweg – Erzeugung, Walzwerk, Weiterverarbeitung, Service-Center, Gießerei – sind es dieselben Verdächtigen: Ausschuss und Nacharbeit, Reklamationen, ungeplante Stillstände und ein hoher Energieeinsatz. Dazu kommt ein versteckter Treiber, den viele unterschätzen: Planung und Kalkulation, die noch auf pauschalen Vorgabezeiten beruhen statt auf der tatsächlichen Leistung der Maschinen. Solche Fehler macht man nicht einmal, sondern über die ganze Serie.

marketSTEEL: Sie sprechen die Daten an. Wie gut müssen die sein, damit KI überhaupt Sinn ergibt?

Gebert-Janssen: Besser, als viele befürchten, aber nicht perfekt. Der häufigste Befund ist nicht, dass Daten fehlen, sondern dass sie verteilt liegen – im MES, in der Steuerung, in Excel-Tabellen und in den Köpfen erfahrener Kollegen. Diese Quellen zusammenzuführen ist oft schon der halbe Weg. Mir ist die ehrliche Einordnung wichtig: Nicht jeder Betrieb ist sofort „KI-ready“, und das ist völlig in Ordnung. Manchmal ist der erste sinnvolle Schritt schlicht eine saubere Datenerfassung. Am Ende dieser Analyse steht eine Priorisierung – welcher Anwendungsfall bringt am schnellsten messbaren Nutzen.

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Fotos: marketSTEEL