Gießereien fordern bessere Standortbedingungen und mehr politische Entschlossenheit
von Dagmar Dieterle-Witte
Zum Auftakt des Gießerei-Tages 2026 in Göttingen hat BDG-Präsident Markus Küpper die Politik zu entschlossenem Handeln aufgefordert. Angesichts hoher Energiepreise, wachsender Bürokratie und anhaltender Standortnachteile warnte er vor einem weiteren Verlust industrieller Substanz in Deutschland und unterstrich die zentrale Bedeutung der Gießereiindustrie für die gesamte Wertschöpfungskette.
Mit einem eindringlichen Appell an Politik und Wirtschaft hat BDG-Präsident Markus Küpper den Gießerei-Tag 2026 in Göttingen eröffnet. Vor Vertretern aus Industrie, Politik und Wissenschaft bezeichnete er die Veranstaltung als zentrale Plattform für den Austausch über die Zukunft der Branche und die Herausforderungen des Industriestandorts Deutschland.
Küpper verweist auf die anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen für die deutsche Gießereiindustrie. Hohe Energiepreise, langwierige Genehmigungsverfahren, umfangreiche Bürokratie und steigende Arbeitskosten würden die Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen zunehmend belasten. Die Transformation hin zu klimafreundlicher Produktion sei technisch machbar, benötige jedoch wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Investitionen ermöglichten. Aktuell werde die Transformation von vielen Unternehmen eher als Standortnachteil denn als Chance wahrgenommen.
Besorgt zeigte sich der Verbandspräsident über den Strukturwandel innerhalb der Branche. In den vergangenen Jahren seien zahlreiche Gießereibetriebe vom Markt verschwunden, verbunden mit einem erheblichen Verlust von Arbeitsplätzen. Gleichzeitig haben geopolitische Krisen und neue internationale Konflikte die Bedeutung einer starken industriellen Basis erneut verdeutlicht. Deutschland muß wieder stärker in der Lage sein, wichtige Produkte selbst herzustellen und industrielle Wertschöpfung im eigenen Land zu sichern.
Küpper betonte, dass die deutsche Gießereiindustrie weit über ihre unmittelbare Beschäftigtenzahl hinaus wirke. Eine aktuelle Studie belege die hohe Bedeutung der Branche für industrielle Wertschöpfungsketten. Millionen Arbeitsplätze in nachgelagerten Industriezweigen wie dem Fahrzeugbau, dem Maschinenbau, der Metallindustrie, dem Bauwesen und der Elektroindustrie seien direkt oder indirekt mit der Leistungsfähigkeit der Gießereien verbunden. Ein weiterer Rückgang der Branche wird daher weitreichende Folgen für die industrielle Leistungsfähigkeit Deutschlands haben.
Positiv bewertete Küpper die zunehmende Gesprächsbereitschaft politischer Entscheidungsträger. Der Verband hat seine Interessenvertretung in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut und führt einen intensiven Dialog mit Politik und Behörden auf nationaler und europäischer Ebene. Gleichzeitig macht er deutlich, dass die Vielzahl neuer europäischer Regulierungen und Berichtspflichten für viele Unternehmen kaum noch beherrschbar sei. Gerade kleinere und mittelständische Betriebe sind auf eine starke Verbandsarbeit angewiesen, um ihre Interessen wirksam vertreten zu können.
Mit Blick auf die Zukunft ruf Küpper Unternehmen, Politik und Sozialpartner zu gemeinsamem Handeln auf. Die aktuellen Herausforderungen sind kein Anlass für Verteilungskonflikte, sondern erforderten ein gemeinsames Engagement für die Sicherung industrieller Wertschöpfung und Beschäftigung. Wertschöpfung entstehe nicht durch Formulare oder Genehmigungen, sondern durch leistungsfähige Produktionsketten und wettbewerbsfähige Unternehmen.
Zum Abschluss seiner Rede bekennt ich Küpper ausdrücklich zum Industriestandort Deutschland und zur Leistungsfähigkeit der Branche. Die Gießereiindustrie ist ein unverzichtbarer Bestandteil der industriellen Wertschöpfung und spiel eine Schlüsselrolle für zahlreiche Zukunftsbranchen. Der Gießerei-Tag in Göttingen soll daher nicht nur eine Bestandsaufnahme sein, sondern auch ein Signal für Zuversicht, Innovationskraft und den gemeinsamen Willen, die Zukunft der Industrie aktiv zu gestalten.
Fotos: marketSTEEL