Europa braucht faire Wettbewerbsbedingungen für grünen Stahl

von Dagmar Dieterle-Witte

Der Vorstandsvorsitzende der Salzgitter AG, Gunnar Groebler, hat auf der Hamburg Sustainability Conference stabile politische Rahmenbedingungen, wettbewerbsfähige Strompreise und eine Weiterentwicklung des CO₂-Grenzausgleichs CBAM gefordert. Nur so könne die Transformation der europäischen Stahlindustrie gelingen.

Die Transformation der Stahlindustrie benötigt verlässliche politische Rahmenbedingungen. Das betonte Gunnar Groebler, Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG, auf der Hamburg Sustainability Conference (HSC) in Hamburg. Unternehmen müssten sich darauf verlassen können, dass sich die politischen Rahmenbedingungen nach milliardenschweren Investitionsentscheidungen nicht grundlegend änderten.

Als zentrale Voraussetzung für einen fairen Wettbewerb nannte Groebler die Weiterentwicklung des europäischen CO₂-Grenzausgleichsmechanismus CBAM. Neben einem wirksamen Schutz gegenüber Importen seien insbesondere eine Exportregelung sowie die Einbeziehung der nachgelagerten Wertschöpfungskette erforderlich. Ebenso wichtig seien international wettbewerbsfähige Strompreise. Die derzeitigen Preisunterschiede innerhalb Europas belasteten die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie erheblich.

Nach Einschätzung Groeblers gewinnt zudem die Resilienz der Lieferketten deutlich an Bedeutung. Geopolitische Krisen, steigende Transportkosten und Engpässe in der Logistik hätten dazu geführt, dass Versorgungssicherheit für viele Kunden inzwischen einen messbaren wirtschaftlichen Wert besitze. Darin sieht der Salzgitter-Chef eine Chance für die europäische Stahlindustrie, ihre Rolle als verlässlicher Lieferpartner weiter auszubauen.

Die europäische Stahlindustrie nehme bereits heute eine führende Position ein, sagte Groebler mit Verweis auf Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA), wonach rund 90 Prozent des von deutschen Automobilherstellern eingesetzten Stahls aus Europa stammen. Diese Position werde durch enge Forschungs- und Entwicklungspartnerschaften mit den Kunden gestützt.

Für die weitere Transformation sprach sich Groebler für die Schaffung grüner Leitmärkte aus, in denen klimafreundlich erzeugter Stahl bei öffentlichen und privaten Vergaben stärker berücksichtigt wird. Gleichzeitig verwies er auf die wachsende strategische Bedeutung einer leistungsfähigen europäischen Stahlindustrie. Eine resiliente Industrie sei nicht nur für stabile Lieferketten notwendig, sondern auch für Infrastrukturprojekte und die sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit Europas. Stahl aus Europa werde dabei eine Schlüsselrolle spielen.

      

Gespräch mit Herrn Gunna Groebler anläßlich der Hamburg Sustainability Conference (HSC)

Fotos: marketSTEEL