Digitale Revolution in der Aluminiumindustrie: Speira führt weltweit ersten Produktpass ein
von Dagmar Dieterle
Auf der Handelsblatt-Konferenz Circular Economy 2026 präsentierte Hendrik Heck von der Speira GmbH eine Innovation, die die Aluminiumindustrie grundlegend verändern könnte: speira.ID, den weltweit ersten digitalen Produktpass für Aluminiumprodukte. Die Botschaft ist klar – Aluminium ist nachhaltiger als sein Ruf.
Volle Transparenz über den gesamten Produktlebenszyklus
"Transparenz ist der Schlüssel zum Erfolg für unsere Industrie", betonte Heck in seinem Vortrag. Als erstes Unternehmen der Aluminiumindustrie hat Speira einen digitalen Produktpass für Coils und Bleche aus Aluminium eingeführt. Das System bietet eine lückenlose Rückverfolgbarkeit vom Rohmaterial bis zum fertigen Produkt.
So funktioniert der digitale Produktpass
Kunden können sich in ein Kundenportal einloggen und für jedes gelieferte Coil einen individuellen digitalen Produktpass generieren. Das Ergebnis: ein umfassendes, coilbezogenes PDF-Dokument, das weit mehr Informationen enthält als herkömmliche Produktdokumentationen. Eine Massendownload-Funktionalität steht dabei ebenfalls zur Verfügung.
Jedes Coil erhält eine eindeutige Nummer – beispielsweise die 9623503020 – und kann bis zu seinem Ursprung zurückverfolgt werden. Der Pass enthält detaillierte Angaben zu:
- Genealogie: Auslieferungsdatum, Gießereidatum, Produktlegierung, Chargennummer
- Produktionsstätten: Walzwerk (z.B. Joint Venture AluNorf in Neuss) und Gießerei (z.B. Rheinwerkberg in Neuss)
- Materialzusammensetzung: Chemische Legierungselemente mit Prozentanteilen
- Rezcykclatanteil: Bei dem vorgestellten Beispiel unglaubliche 94 Prozent
- CO₂-Fußabdruck: Vollständige Klimabilanz des Produkts
- Input-Mix: Genaue Aufschlüsselung der verwendeten Schrottarten
- Der geschlossene Kreislauf wird messbar
Besonders beeindruckend: Bei dem beispielhaft vorgestellten Coil stammten 48,8 Prozent des Materials aus gebrauchten Getränkedosen (Used Beverage Cans). "Fast die Hälfte des
Materials in dieser Dose waren tatsächlich mal Dosen", erklärte Heck. Dies beweist einen nachweislich geschlossenen Kreislauf – möglich, weil Speira selbst Dosenschrott ankauft und in der hauseigenen Recyclinganlage in Neuss verarbeitet.
Einfache Umsetzung mit vorhandener Technologie
"Jeder redet über den digitalen Produktpass – wir haben es einfach gemacht", so Heck. Und die Erfahrung zeigt: Es ist gar nicht so schwierig. Die Daten werden bereits in der Gießerei erfasst und über das Manufacturing Execution System in SAP übertragen. Von dort gelangen sie in die MicrosoftAzure Cloud, wo sie mit Hilfe von Databricks in ein einheitliches Datenmodell integriert werden.
Die Vorteile der integrierten Datenkette
Die durchgängige digitale Erfassung bietet entscheidende Vorteile:
- Aktualität: Korrekturen werden automatisch durch die gesamte Kette übertragen
- Fälschungssicherheit: Nach der Ersterfassung können Mitarbeitende die Daten nicht mehr manipulieren
- Zertifizierbarkeit: Speira setzt auf die Zertifizierung der Datenkette statt einzelner Produkte
- QR-Code macht Transparenz erlebbar
Das Besondere: Mit Kundenzustimmung können die Daten online verfügbar gemacht werden. Per QR-Code direkt auf dem Material aufgebracht, sind die Informationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette abrufbar. Interessierte können dies selbst testen unter www.speira.id/9623503020 – allerdings mit einem reduzierten Teildatensatz aus Sicherheitsgründen.

Vision: Vom Aluminium bis zum Endprodukt
Heck skizzierte eine Vision für die Zukunft: "Stellen Sie sich vor, eine Getränkedose hätte einen QR-Code auf der Rückseite. Konsumenten könnten die gesamte Wertschöpfungskette nachvollziehen." Während Speira die Daten für das Aluminium liefern kann, müsste eine vollständige Transparenz dann allerdings auch Informationen zu Getränk, Abfüllung und Logistik umfassen. Um das Potenzial zu demonstrieren, hat Speira Schlüsselanhänger aus echtem Aluminiumproduziert, die mit einem QR-Code versehen sind. Wer diesen scannt, erhält detaillierte Informationen zum verwendeten Material – ein konkretes Beispiel dafür, wie Produkttransparenz in der Praxis funktionieren kann.
Bessere Vermarktung durch Nachhaltigkeit
Für Kunden bedeutet speira.ID mehr als nur ESG-Compliance. Mit den Daten ließen sich Produkte als nachhaltiger positionieren und besser vermarkten – vom Kotflügel eines Porsche 911über Nespresso-Kaffeekapseln bis zum RIMOWA-Koffer. Die transparente Darstellung des CO₂-Fußabdrucks und des Rezcykclatanteils wird zum Wettbewerbsvorteil.
Fazit: Neue Maßstäbe für die Industrie
Seit Anfang 2026 im Markt, setzt speira.ID neue Maßstäbe für Transparenz in der Aluminiumindustrie. Das System beweist: Digitale Produktpässe sind keine Zukunftsmusik, sondern mit bestehenden Technologien umsetzbar. Und sie können helfen, das Image der Aluminium-Getränkedose zu verbessern – denn wie Hendrik Heck betonte: "Aluminium ist nachhaltiger als sein Ruf."
Über Speira GmbH
Speira ist ein führender europäischer Hersteller von Aluminiumprodukten mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Das Unternehmen betreibt Produktionsstätten unter anderem in Neuss und setzt mit einem Rezcykclatanteil von bis zu 94 Prozent neue Maßstäbe in der Getränkedosenbranche.
Quelle: Speira GmbH / Fotos: Handelsblatt