Bystronic: Künstliche Intelligenz ebnet den Weg zur autonomen Fertigung
von Dagmar Dieterle-Witte
Als global agierender Technologielieferant in der Blechbearbeitung verbindet Bystronic Maschinenlösungen für Schneiden und Biegen mit digitalen Anwendungen, Automatisierung und KI, um Produktionsprozesse gezielt zu optimieren und resilienter zu machen.
Im Gespräch mit marketSTEEL erläutert _Dr. Christoph Rüttimann, Global Vice President Tube & Bending bei Bystronic, welche Rolle KI bereits heute spielt und wohin die Entwicklung geht.
marketSTEEL: Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz bereits heute in den Systemen von Bystronic?
Wir sind überzeugt, dass künstliche Intelligenz künftig eine sehr große Rolle spielen wird – insbesondere im Zusammenhang mit integrierten und zunehmend autonomen Systemen. Schon heute unterstützt KI den Bediener und nimmt ihm Aufgaben ab.
Ein konkretes Beispiel ist unser sogenannter Parameter Wizard, den wir seit rund drei Jahren als Softwareoption für Laserschneidanlagen anbieten. Dieses System hilft dabei, die optimalen Schneidparameter zu finden. Selbst Anwender ohne tiefgehende Erfahrung im Laserschneiden können innerhalb weniger Minuten passende Einstellungen ermitteln.
Das System basiert auf einem trainierten KI-Modell mit neuronalen Netzwerken und zahlreichen Datensätzen. Hintergrund ist, dass Kunden häufig mit unterschiedlichen Materialqualitäten arbeiten. Gerade bei preisgünstigerem Stahl müssen Parameter regelmäßig angepasst werden – eine Aufgabe, die früher viel Erfahrung erforderte. Hier übernimmt die KI heute einen Großteil der Arbeit oder unterstützt den Bediener gezielt.
marketSTEEL: Wie verändert KI die Arbeitsweise von Maschinenbedienern und Produktionsprozessen in der Praxis?
Im Grunde verändert KI sowohl die Bedienung als auch die Prozesssteuerung deutlich. Sie reduziert die Abhängigkeit von hochspezialisierten Fachkräften und erleichtert die Bedienung komplexer Anlagen.
Darüber hinaus spielt KI eine wichtige Rolle in der Produktionsplanung. Bei kurzfristigen Aufträgen oder Expressbestellungen kann sie helfen, Fertigungsprozesse neu zu organisieren und optimal zu priorisieren. Dadurch lassen sich Abläufe effizienter gestalten und Fehlerquoten reduzieren.
Für den Bediener bedeutet das konkret: weniger manuelle Eingriffe, weniger trial-and-error und insgesamt eine höhere Prozesssicherheit.
marketSTEEL: Welche Zukunftspotenziale sieht Bystronic in der Kombination von KI, Automatisierung und vernetzten Fertigungssystemen?
Unser Ziel ist klar: Wir arbeiten an möglichst autonomen Systemen. Perspektivisch soll der Anwender ein Blech einlegen – und die Maschine erkennt selbstständig Materialeigenschaften, passt die Parameter an und startet den Prozess.
Erste Prototypen, die genau das leisten, sind bereits im Einsatz und werden aktuell gemeinsam mit Kunden getestet. Bis zur Serienreife wird es noch etwas dauern, aber das Potenzial ist enorm.
Langfristig geht es darum, die gesamte Prozesskette zu optimieren – vom Auftragseingang bis zur Auslieferung des fertigen Teils. KI kann hier helfen, Durchlaufzeiten zu verkürzen und Stückkosten zu senken.
Dafür bauen wir unsere Kompetenzen gezielt aus. An nahezu allen Entwicklungsstandorten arbeiten inzwischen Spezialisten mit KI-Hintergrund an entsprechenden Lösungen. Für uns ist klar: KI ist kein Zukunftsthema mehr, sondern bereits heute ein zentraler Bestandteil der industriellen Fertigung – und wird weiter an Bedeutung gewinnen.
Fazit:
Bystronic treibt die Integration von KI konsequent voran – von der Unterstützung des Bedieners bis hin zur autonomen Fertigung. In Kombination mit Automatisierung und vernetzten Systemen eröffnet sich damit ein neuer Effizienzhebel für die industrielle Produktion.
Fotos: marketSTEEL