Bystronic: Automatisierung, Software und Service rücken in den Mittelpunkt

von Dagmar Dieterle-Witte

Bystronic zählt zu den führenden Anbietern von Lösungen für die Blechbearbeitung. Das Unternehmen entwickelt und produziert weltweit Maschinen und Systeme für das Laser- und Wasserstrahlschneiden sowie für das Biegen – zunehmend ergänzt durch Software- und Automatisierungslösungen.

Im Gespräch mit marketSTEEL erläutert Dr. Christoph Rüttimann. Global Vice President Tube & Bending bei Bystronic, wie sich der Markt verändert und welche Trends derzeit die Branche prägen.


marketSTEEL: Welche Trends sieht Bystronic derzeit?


Wir beobachten eine deutlich steigende Nachfrage nach vollintegrierten Systemen. Es geht immer weniger um einzelne Maschinen – sei es eine Schneidanlage, eine Rohrmaschine oder eine Biegemaschine – sondern um komplette, automatisierte Lösungen.

Dazu gehören automatisierte Be- und Entladesysteme sowie eine automatisierte Sortierung der bearbeiteten Teile. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Software, die diese Prozesse steuert und miteinander verknüpft.

Mit dieser Entwicklung steigt jedoch auch die Komplexität der Systeme. Das bedeutet zugleich höhere Anforderungen an Service und Verfügbarkeit. Wenn eine Anlage stillsteht, erwarten unsere Kunden eine sofortige Reaktion – entweder durch einen Techniker vor Ort oder durch schnelle Remote-Lösungen. Nähe zum Kunden und Reaktionsgeschwindigkeit sind daher entscheidend.

Zusammengefasst sehen wir klar den Trend weg von Einzelmaschinen hin zu integrierten, automatisierten Systemlösungen.


marketSTEEL: Inwiefern beeinflussen Themen wie Nachhaltigkeit, Fachkräftemangel oder Lieferkettenprobleme Ihre strategische Ausrichtung?


Beim Thema Lieferketten verfolgen wir einen regionalen Ansatz. Bystronic produziert seine Hauptprodukte in den drei großen Weltregionen – mit Werken in Europa, China und den USA. Dadurch können wir lokale Lieferketten nutzen und besser auf Engpässe reagieren.

Auch unsere Kunden setzen verstärkt auf lokale Beschaffung, insbesondere beim Material. Zwar kann importierter Stahl preislich attraktiv sein, doch Transportkosten und Qualitätsaspekte relativieren diesen Vorteil häufig.

Ein wesentlicher Treiber für Automatisierung ist der Fachkräftemangel. Tätigkeiten wie das manuelle Handling schwerer Bauteile oder häufige Werkzeugwechsel sind zunehmend schwer zu besetzen. Deshalb entwickeln wir Lösungen, die den Bediener entlasten oder teilweise ersetzen – etwa durch robotergestützte Systeme oder automatisierte Werkzeugwechsel bei Biegemaschinen.

Beim Thema Nachhaltigkeit hat sich der Fokus zuletzt etwas verschoben. Während es vor einigen Jahren stark im Vordergrund stand, ist es aktuell durch die geopolitische Lage etwas in den Hintergrund gerückt. Dennoch verfolgen wir diesen Weg konsequent weiter.

Wir setzen auf energieeffiziente Technologien, etwa durch den Einsatz von Faserlasern statt CO₂-Lasern. Bei Biegemaschinen nutzen wir Konzepte ähnlich unserer Start-Stopp-Automatik, bei der der Energieverbrauch nur während des tatsächlichen Betriebs anfällt.

Zudem bieten wir Lösungen zur Eigenproduktion von Stickstoff für den Schneidprozess an – etwa in Kombination mit Photovoltaikanlagen. So können Kunden ihre Prozesse effizienter und nachhaltiger gestalten.

Ein weiterer Schritt ist unsere Partnerschaft mit SSAB, bei der wir unsere Maschinen auf die Verarbeitung von CO₂-armem Stahl optimiert haben. Damit unterstützen wir unsere Kunden aktiv bei der Umsetzung ihrer Nachhaltigkeitsziele.

Fazit:
Die Entwicklung bei Bystronic zeigt: Automatisierung, Softwareintegration und Service werden zu zentralen Erfolgsfaktoren. Gleichzeitig treiben Fachkräftemangel und Effizienzanforderungen die Nachfrage nach intelligenten Systemlösungen – ergänzt durch einen weiterhin wichtigen, wenn auch differenzierter betrachteten Nachhaltigkeitsansatz.

 

Fotos: marketSTEEL