Welche Rolle spielt die Börse EEX im Emissionsrechtehandel?

von Dagmar Dieterle-Witte

Interview mit Tanja Listner, Senior Sales Manager, European Energy Exchange AG (EEX)

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1. Was ist das EU-Emissionshandelssystem und warum ist das relevant für die Branche?

Das Ziel des EU-Emissionshandelssystems, kurz EU ETS, ist es, klimaschädliche Emissionen mit einem Preis zu versehen. Es handelt sich um ein marktbasiertes Instrument mit dem Ziel klimaschädliche Emissionen schrittweise zu reduzieren und zwar kosteneffizient und nachhaltig. Bereits 2005 startete das EU ETS als erstes multinationales Handelssystem. Es wird weltweit als Vorreiter und Modell für weitere Emissionshandelsmärkte gesehen. Das EU ETS legt eine Obergrenze für CO2-Emissionen in bestimmten Sektoren fest, das sogenannte „Cap“. Für jede ausgestoßene Tonne Kohlendioxid müssen Unternehmen ein Zertifikat vorweisen, ein sogenanntes Emissionsrecht (EU Allowances – EUA).

Diese Zertifikate kommen auf zwei Wegen in Umlauf: zum einen über Auktionen und zum anderen durch kostenlose Zuteilung. Sobald die Emissionsrechte im Umlauf sind, können sie gehandelt werden, unter anderem an der European Energy Exchange (EEX). Wer Emissionen vermeidet, kann Kosten sparen oder überzählige Emissionsrechte verkaufen. So entsteht ein Marktpreis für CO2, der Innovationen in den Klimaschutz wirtschaftlich anreizt.

Das EU ETS ist für die Stahlbranche aus mehreren Gründen relevant. Als energieintensive Industrie verursachen Stahlwerke hohe CO₂-Emissionen und müssen für jede Tonne ausgestoßenes CO₂ ein EU-Emissionsrecht vorweisen. Bislang wurden hierfür freie Kontingente an die Industrie ausgegeben. Diese freie Zuteilung wird aber schrittweise reduziert und läuft im Jahr 2035 aus. Durch die Einführung des Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) müssen Importeure von Stahl denselben Preis zahlen. Die Stahlindustrie wird also Zertifikate zukaufen müssen, um die Anforderungen des europäischen Emissionshandels zu erfüllen. Der CO2-Preis wird aller Voraussicht nach weiter steigen und dadurch auch das Preisrisiko für Unternehmen. Daher ist es wichtig, sich heute schon mit der Risikoabsicherung zu beschäftigen.

2. Welche Auswirkungen hat die CBAM-Regulierung für die Stahlbranche?

Seit Januar 2026 ist der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) in Kraft. Der sogenannte CO2-Grenzausgleichsmechanismus wurde entwickelt, um die Unternehmen, die dem EU-Emissionsrechtehandel unterliegen, vor Wettbewerbsnachteilen zu schützen. Unternehmen, die beispielsweise Stahl in die EU importieren, müssen ab diesem Jahr Zertifikate erwerben, die den Emissionsausstoß der Produktion widerspiegelt. Damit soll sichergestellt werden, dass für importierte Produkte ähnliche Klimaschutzkosten gelten als für Produkte, die in der EU hergestellt werden.

Analog zum Rückgang der kostenlosen Zuteilung von Emissionsrechten steigt der CBAM-Anteil (siehe Grafik 1). Für viele Stahlhersteller ist das EU ETS jedoch kein Neuland, da sie schon länger Zertifikatspflichten erfüllen müssen. Auch wenn diese bisher kostenlos zugeteilt wurden, war der Zertifikatspreis durch die Möglichkeit des Verkaufs und damit als Einkommensquelle auch in der Vergangenheit schon relevant. Künftig treten Emissionsrechte aber vor allem als Kosten in Erscheinung, was die Relevanz von Preisen weiter erhöht. Unternehmen müssen sich damit auseinandersetzen, wie sie dieses Preisrisiko in den kommenden Jahren handhaben werden. Wie hoch der CBAM-Preis ist, das kann man schon heute an der EEX ablesen, denn wir veröffentlichen jeden Freitag einen CBAM-Referenzpreis.

3. Welche Rolle spielt die Börse EEX im Emissionsrechtehandel?

Die EEX ist die führende Energiebörse in Europa und betreibt elektronische Marktplätze für den Großhandel mit Strom, Erdgas, Emissionsrechten und weiteren energienahen Produkten. Wir begleiten den Emissionsrechtehandel bereits seit dem Beginn. An der EEX können die Handelsteilnehmer Emissionsrechte kaufen und verkaufen und so ihre Verpflichtungen aus dem EU ETS erfüllen. Als Handelsteilnehmer bezeichnen wir diejenigen Unternehmen, die direkt zum Börsenhandel zugelassen sind. Zu unseren Teilnehmern zählen Energieversorger, Industrieunternehmen, spezialisierte Handelsfirmen, Broker und Banken – mehr als 500 Unternehmen aus ganz Europa und darüber hinaus. Zusätzlich ist es auch möglich, indirekt am Börsenhandel teilzunehmen. Das geschieht dann über sogenannte Intermediäre, also Unternehmen, die den Börsenzugang als Dienstleistung anbieten, beispielsweise Broker und Banken.

Statt einer freien Zuteilung werden die Emissionsrechte zunehmend durch Auktionen an den Markt ausgegeben – mit der EEX als zentrale Auktionsplattform in Europa. Bereits seit 2010 organisieren wir die sogenannten Primärmarktauktionen für 25 EU-Mitgliedstaaten und generieren damit Einnahmen für Klimaschutzprogramme der teilnehmenden Staaten. Im Sekundärmarkt der EEX werden die Zertifikate gehandelt, die bereits im Markt verfügbar sind. Hier kann der Handel mit einer kurzfristigen Lieferung der Zertifikate erfolgen, am sogenannten Spotmarkt, oder es ist möglich, Zertifikate langfristig am Terminmarkt zu kaufen oder zu verkaufen und sich langfristig gegen Preisänderungsrisiken abzusichern.

Darüber hinaus spielt die EEX eine zentrale Rolle in unterschiedlichen Emissionshandelssystemen weltweit. Über unsere Tochtergesellschaft in den USA betreiben wir Emissionshandelsmärkte in Nordamerika und wir unterstützen das Auktionssystem in Neuseeland. Seit 2021 ist die EEX zudem die vom Umweltbundesamt beauftragte Verkaufsplattform im nationalen Emissionshandel (nEHS) in Deutschland.

44 4. Wie läuft der Handel an der EEX ab und was sind die Vorteile?

Der Handel an der EEX erfolgt vollständig elektronisch und nach einem klar definierten, regulierten Ablauf. Der Börsenhandel ist außerdem anonym, was die Gleichbehandlung aller Unternehmen sicherstellt. Käufer und Verkäufer sehen also nicht, wer ihre Gegenpartei (auch Kontrahent genannt) ist, sondern nur die Gebote und Angebote im börslichen Orderbuch. Der Preis entsteht durch das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage. Wenn das Angebot eines Verkäufers mit dem Gebot eines Käufers übereinstimmt, kommt es zum Handel und das Geschäft ist abgeschlossen. Der Vorteil der Anonymität besteht darin, dass die Preise frei von Verzerrungen sind und damit eine höhere Qualität haben als etwa ein bilaterales Geschäft, dessen Preis zusätzlichen Einflüssen unterliegen kann.

Alle an der EEX zugelassenen Teilnehmer müssen verschiedene Regeln einhalten, wie die Börsenordnung, die Handelsbedingungen und die Zulassungsordnung. So stellen wir sicher, dass Handel und Zulassung diskriminierungsfrei erfolgen und fair bleiben. Darüber hinaus gibt es eine eigene Handelsüberwachungsstelle, eine unabhängige Stelle nach Börsengesetz, die den Handel an allen EEX-Märkten täglich und lückenlos kontrolliert. Die EEX schafft Transparenz, indem sie die Marktdaten zu den gehandelten Preisen und Volumina veröffentlicht, auf ihrer Website sowie auch in Form von Datenprodukten, über die zum Beispiel historische Daten verfügbar sind. Nach jedem abgeschlossenen Handelsgeschäft garantiert unser Clearinghaus, die European Commodity Clearing AG (ECC), die sichere Abwicklung aller Transaktionen. Falls ein Handelsteilnehmer ausfällt, springt das Clearinghaus ein und übernimmt die Verpflichtungen aus dem Geschäft, also Zahlung und Lieferung.

Die Stahlbranche steht heute im Zentrum einer der größten Transformationen unserer Zeit und nimmt eine bedeutende Rolle der Dekarbonisierung ein. Kommen Sie gern auf uns zu, wenn Sie Fragen zum Zugang und zum Emissionsrechtehandel an der EEX haben.

 

Tanja Listner, Senior Sales Manager, EEX (Kontakt: tanja.listner@eex.com)