Rückenwind für die Industriemetalle aus den USA

von Angelika Albrecht

Die leicht schwächeren US-Inflationszahlen haben auch den Industriemetallpreisen ordentlichen Rückenwind gegeben. An der starken Reaktion zeigt sich nach Ansicht der Commerzbank, dass auch die Konjunktursorgen mit Blick auf die USA ein wesentlicher Grund für die jüngste Preisschwäche gewesen sind. Hier ist weitere Entlastung in Sicht, sobald klar ist, dass die US-Notenbank ihren Zinserhöhungszyklus beendet hat, was spätestens im Herbst der Fall sein sollte. Sobald sich dann sogar positive Konjunkturimpulse in Form von Zinssenkungen abzeichnen, dürften die Industriemetalle einen weiteren Schub erhalten.

Dem gegenübersteht jedoch, dass sich die Dynamik im weit wichtigeren Absatzmarkt, China, weiterhin eher enttäuschend zeigt. So fielen etwa die jüngsten Importe von Kupfererzen im Juni deutlich zum Vormonat, was nicht gerade auf eine robuste Industrienachfrage hindeutet. Gleichzeitig waren die Importe von verarbeiteten Kupfer recht stabil, was auf heimische Produktionseinschränkungen hindeuten könnte. Für eine schwache Nachfrage spricht laut Commerzbank-Rohstoffexperten jedoch der Anstieg der Lagerbestände an der Shanghaier Futures Börse seit Mitte Juni. Allerdings dürften weitere Stimulusmaßnahmen seitens Peking, die mittlerweile allgemein erwartet werden, insbesondere Kupfer zugutekommen, da das Metall in strategisch wichtigen Sektoren (wie der Elektrifizierung der Infrastruktur) Verwendung findet. Insofern bleibt die Commerzbank optimistisch, dass sich die Nachfrage insgesamt positiv entwickeln wird und somit einem Anstieg des Kupferpreises im Herbst nicht entgegensteht.

EU prüft Produktion von kritischen Mineralien auf heimischen Grund

Einem FT-Bericht zufolge wurden europäische Aluminium- und Zinkproduzenten von der EU dazu aufgerufen, zu prüfen, ob sie auch die Produktion von Mineralien für die Herstellung von Halbleitern aufnehmen könnten. Gemeint sind wohl Gallium und Germanium, für deren Gewinnung China derzeit Marktführer ist und das kürzlich Exporteinschränkungen der beiden Rohstoffe angekündigt hat. Beide sind ein Beiprodukt in der Metallverarbeitung. Tatsächlich verfügt die EU über entsprechende Produktionskapazitäten (Gallium wurde etwa in Stade gewonnen), allerdings war es zuletzt nicht wirtschaftlich, diese zu nutzen. Klar ist, dass die Produktion zu einem höheren Preis erfolgen wird. Fraglich ist, wer diesen zahlen wird. Die Commerzbank fragt: Wird die Produktion etwa durch Subventionen gefördert? Oder durch einen hohen Preis an die Abnehmer?

 
Quelle: Commerzbank AG / Commerzbank Commodity Research / Vorschaubild: Fotolia

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