Autor: von Dagmar Dieterle

03.12.2019

„Wir stehen für hohe Kundenfokussierung und hochmoderne Anlagen“

marketSTEEL im Interview mit Diplom-Kaufmann Marc T. Oehler, CEO und Partner der BILSTEIN GROUP             

 

marketSTEEL: Herr Oehler, welche Bereiche oder Unternehmen gehören zur Gruppe Bilstein?

BILSTEIN wurde 1911 gegründet. Seit 1996 gehört HUGO VOGELSANG auch zu uns. In 2005 sind wir nach Tschechien gegangen und haben dort ein Kaltwalzwerk erworben, das heute BILSTEIN CEE heißt. Seit 2013 haben wir BILSTEIN COLD ROLLED STEEL in den USA aufgebaut. Konkret haben wir in Kentucky ein Kaltwalzwerk errichtet und 2017 haben wir dort in Bowling Green die Produktion aufgenommen. Zusammenfassend gesagt: mit BILSTEIN, HUGO VOGELSANG, BILSTEIN CEE und BILSTEIN COLD ROLLES STEEL haben wir 4 Produktionsgesellschaften weltweit. Daneben haben wir in Großbritannien das Service-Center SHEARLINE STEEL STRIP in Kingswinford und in China die Handelsgesellschaft BILSTEIN TRADING in Shanghai. Darüber hinaus halten wir Beteiligungen an dem Stahl-Service-Center INAS in Italien und ARMCO in Brasilien.

 

marketSTEEL: Für was steht die Gruppe? Was unterscheidet die Gruppe von anderen Kaltbandspezialisten?

Die BILSTEIN GROUP steht für Qualität und Stärke, weltweit. Und: wir stehen vor allem für eine sehr intensive Kundenfokussierung, das heißt, für die Erfüllung von Kundenwünschen innerhalb eines sehr breiten Spektrums. Wir sehen uns als Komplettanbieter von Kaltband in allen Güten und in allen   Abmessungen. Die Größe und die Kundenfokussierung sind sicherlich wichtig. Unsere Kundenfokussierung zeigt sich auch in der Strategie der Internationalisierung. Wir sind weltweit vertreten in allen wichtigen Märkten. Dies war auch der Grund für die Investition in den USA, um dort unmittelbar in Kundennähe produzieren zu können und die USA nicht nur als Exportmarkt zu bedienen.

 

marketSTEEL: Im Hinblick auf die Zölle eigentlich ideal.

Im Prinzip ja. In der Hochlaufphase haben uns die Zölle das Leben noch etwas schwer gemacht. Vom Grundsatz war es jedoch eine sehr weitsichtige Entscheidung in den USA auch zu produzieren, auch wenn das mit den Zöllen so nicht vorhersehbar war.

 

marketSTEEL: Wie wird die Digitalisierung bei BILSTEIN vorangetrieben? Gibt es da Beispiele?

Ja, da gibt es viele Beispiele. Das Hauptthema, das ich hier erwähnen möchte, ist sicherlich unsere Neu-Investition. Wir haben gerade ein neues Walzgerüst in der Inbetriebnahme-Phase. Vom Grundsatz ist das Walzgerüst der Hauptbestandteil eines `Kaltwalzwerkes im Kaltwalzwerk´ wie wir das Ganze nennen. Wir gehen damit auf eine ganz andere Produktivitätsstufe, auf ein völlig anderes Automatisierungsniveau.

Wir haben 2012 die erste vollautomatische Glühe in Betrieb genommen, die schon auf breite Abmessungen bis zu 1350 mm ausgerichtet war. Vor drei Jahren haben wir dann ein vollautomatisches Pufferlager in Betrieb genommen und haben jetzt diese vollautomatische Reversierwalze in einer Breite von 1350 mm in Betrieb genommen, die wir sowohl zum Vor- wie auch zum Nachwalzen einsetzen. Zudem haben wir gerade auch eine dazu passende, stark automatisierte Scherenanlage und Verpackungslinie in der Installation. Das heißt, mit der aktuellen Inbetriebnahme des Walzgerüstes und der Scherenanlage bekommt dieses Gesamtkonstrukt `vollautomatisiertes Kaltwalzwerk im Kaltwalzwerk´ gewissermaßen die Krone aufgesetzt und kann damit in den kommenden Wochen endgültig in Betrieb gehen.

Digitalisierung ist dabei natürlich ein ganz wichtiger Punkt. Das fängt bei der Fehlerstreckenverfolgung an. Wir sind in der Lage, sämtliche Daten, die wir von Lieferanten zu bestimmten Fehlerbildern, zu Profilen und ähnlichen Dingen bekommen, in unserer Produktion entsprechend zu nutzen. Das heißt, wir können unsere Anlagen darauf einstellen und digitale Markierungen durch die gesamte Produktion mitführen. Vom Grundsatz sind wir in der Lage, diese Daten auch an unsere Kunden weiterzureichen. Das wird sicherlich ein wichtiges Thema der nächsten Monate und Jahre sein. Wir sehen das als Wettbewerbsvorteil und auch als Erfüllen von Forderungen. Auch in den Medien war Fehlerstreckenverfolgung in den letzten Jahren ja immer wieder ein Schlagwort. Wir sind jetzt in der Lage, das intern und auch in Verbindung mit unseren Lieferanten und Kunden wirklich durchgängig zu verfolgen. Und, viel entscheidend ist: wir können dadurch unseren gesamten Prozess noch stärker auf Qualität und unsere Kunden ausrichten.

 

marketSTEEL: Wenn Sie einen Ausblick oder eine Vision für die Gruppe machen: Wo sehen Sie Bilstein in 10 Jahren?

Wir haben im Moment in der gesamten Stahlverarbeitungsbranche und in der Automobilzulieferindustrie ja eine leichte Delle. Die BILSTEIN GROUP wird jedoch durch die Investitionen in hochmoderne, automatisierte Prozesse diese Situation meistern und in Zukunft noch stärker im Markt auftreten können. Zudem beschäftigen wir uns auch mit der weiteren Entwicklung der Märkte und Produkte. Wir haben in den letzten Jahren sehr viel investiert. Wir haben gerade von dem Kaltwalzwerk in den USA gesprochen und jetzt hier von der neuen Anlagenstruktur in Deutschland im Hauptunternehmen. Viele kleinere Investitionen haben auch stattgefunden in Tschechien und bei HUGO VOGELSANG, weil wir weltweit die Produktqualität auf das Niveau der BILSTEIN GROUP halten und ausbauen wollen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist für uns die Internationalisierung, auch in Richtung Asien. Wobei das sicherlich ein sehr spannendes Thema ist. Wir stellen uns die Frage: Hat man als westlicher Halbzeuglieferant wirklich Chancen, in China dauerhaft erfolgreich mit einer eigenen Produktion tätig zu sein? Wir sind im Moment froh, dass wir mit unserem Auslands-Engagement in den USA begonnen haben. Ein Engagement in China ist nicht ausgeschlossen. Wir werden die Entwicklungen weiter beobachten, auch die politischen Rahmenbedingungen. Ebenso auch die rechtlichen Themen, Rechtsschutz, Intellectual Property, und weitere politisch/rechtliche Themen. Im Moment sind wir mit BILSTEIN TRADING in Shanghai richtig aufgestellt, um in diesem wichtigen Markt präsent zu sein und die Chancen für uns in Zukunft besser bewerten zu können, als aus einer rein europäischen Perspektive.

Außerdem haben wir noch die Technologien BILFLEX® und BILCUT® , also flexibles Walzen mit Hochgeschwindikeits-Platinenfertigung, entwickelt, bei denen jetzt im Endeffekt noch die letzten Umsetzungsstufen realisiert werden müssen. Das wird sicherlich in absehbarer Zeit, wenn die Märkte wieder offener für neue Produktionsprozesse sind,  wieder aufgegriffen werden.

Daneben haben wir zahlreiche Produktentwicklungen, auch gerade im Zusammenhang mit der anstehenden Elektromobilität, um auch diesen Bereich für uns zu erschließen. Unser Kaltband mit elektromagnetischen Eigenschaften ULTRAMOD®, SUPERMOD® und EXTRAMOD® stößt dabei auf sehr hohes Marktinteresse.

Insgesamt decken wir mit einem breiten Spektrum an Themen, die die bisherige Investitions- und Automatisierungsstrategie auch auf der Produktebene ergänzen, die Trends der Branche ab, ohne unsere Kunden mit den aktuellen Bedarfen aus den Augen zu verlieren.

 

marketSTEEL: Wenn Sie Bilstein in einem Satz beschreiben sollen: Was ist Bilstein, für was steht Bilstein?

Ein familiengeführtes Unternehmen mit sehr hoher Fokussierung auf die Kundenbedürfnisse mit hochmodernen Produktionsanlagen.

 

Fotos: marketSTEEL