Autor: von unserem Gastkommentator/in

27.05.2016

Welchen Einfluss hat der Stahlpreis auf die Containerindustrie?

Während Kupfer und Silizium nicht zu Unrecht als Triebfeder der unaufhaltsam voranschreitenden Digitalisierung der Welt gelten, ist es insbesondere der Stahl, der eine äquivalente Rolle im Bereich des Welthandels bekleidet. Warum dies so ist, und der Stahl nicht nur die Grundlage für das Wachstum der Weltwirtschaft darstellt, wird in Anbetracht der Tatsache deutlich, dass alleine für den Bau von Handelsschiffen nebst den dazugehörigen Containern jährlich Unmengen an Stahl benötigt werden. Ähnlich wie die Weltkonjunktur ist dabei auch der Stahlpreis nicht von dauerhafter Konstanz geprägt, sondern zahlreichen Einflussfaktoren ausgesetzt, die nicht nur die Stahlproduzenten, sondern vor allem Stahl verarbeitende Betriebe vor erhebliche Herausforderungen stellen. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass auch der Stahlpreis einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Containerindustrie hat, zumal Seecontainer unterschiedlichster Bauarten primär aus Stahl gefertigt sind und von den Reedereien in immer höherer Stückzahl nachgefragt werden.

Die lahmende Konjunktur drückt auf den Stahlpreis
In seiner Eigenschaft als an den Terminbörsen der Welt gehandelter Rohstoff unterliegt der Stahlpreis in erster Linie den grundlegenden ökonomischen Gesetzmäßigkeiten von Angebot und Nachfrage, die über den Handelspreis, der für eine Tonne Stahl aufgerufen wird, bestimmen. Während die Nachfrage in den frühindustrialisierten Ländern Europas sowie in den USA in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend abflachte, waren es vor allem die im industriellen Aufstieg befindlichen Schwellenländer, welche die Rohstoffpreise in den vergangenen fünfzehn Jahren kräftig steigen ließen. Allen voran Chinas Hunger nach Stahl für Gebäude, Industrieanlagen und Schiffe sorgte zwischen 2002 und 2008 beinahe für eine Verdopplung des Stahlpreises auf dem Weltmarkt.

Warum das Reich der Mitte einen so großen Einfluss hat, ist leicht erkennbar, denn weit über 40 Prozent des weltweit produzierten Rohstahls entfällt auf China. Der Bedarf in weiteren aufstrebenden Nationen wie Brasilien, Indonesien oder auf dem indischen Subkontinent trug zudem sein Übriges zu der genannten Entwicklung bei. Im aktuellen Umfeld der sich global abkühlenden Konjunktur, von der insbesondere die Schwellenländer im Angesicht sinkender Wachstumszahlen betroffen sind, befindet sich auch der Stahlpreis seit dem Jahr 2011 auf einer moderaten aber stetigen Talfahrt, deren Ende momentan noch nicht absehbar ist und nicht mit der jahreszeitlich bedingten Nachfragedelle in den Wintermonaten zusammenhängt.

Was den Stahlpreis an den globalen Märkten umtreibt
Die Volatilität des Stahlpreises lässt sich allerdings nicht ausschließlich mit dem ökonomischen Prinzip von Angebot und Nachfrage begreiflich machen, denn Stahl unterliegt als globales Handelsgut, das zudem vom Erz bis zum fertigen Produkt einen Veredelungsprozess durchlaufen muss, weiteren nicht zu vernachlässigenden Einflussfaktoren. Ganz gleich, ob Stahl aus recyceltem Stahlschrott oder neu geschürftem Erz gewonnen wird, ist ein gehöriger Energiebedarf nötig, um die zur Produktion notwendigen Hochöfen zu betreiben, die darüber hinaus nicht nach kurzfristigem Belieben ein- und ausgeschaltet werden können. Dementsprechend hängt ein Gutteil des Stahlpreises an den lokalen Energiekosten der verarbeitenden Betriebe, die in europäischen Ländern nicht zuletzt aufgrund der staatlichen Abgabenlast auch für Unternehmen der Containerbranche deutlich höher liegen als beispielsweise in China.

Neben den Energiekosten sowie den allgemeinen Produktions- und Logistikkosten, die auf jede Tonne Stahl aufgeschlagen werden, fußen die auch in konjunkturell guten Phasen auftretenden Schwankungen des Stahlpreises auf der Tatsache, dass der Rohstoff ebenso wie Öl, Gold und Kupfer in US-Dollar gehandelt wird. Verändert sich also der Devisenkurs der Weltleitwährung gegenüber dem Euro, dem britischen Pfund oder dem chinesischen Renmimbi, verschiebt sich auch der für eine Tonne Stahl zu zahlende Preis. Wie bei allen globalen Handelsgütern entsteht also vor allem für nicht-amerikanische Abnehmer ein Währungsrisiko.

Welche Auswirkungen hat der Stahlpreis auf die Containerindustrie?
Container, von denen derzeit mehr als 18 Millionen Einheiten weltweit genutzt werden, bestehen neben Sperrholz, Bitumen und Lacken vor allem aus Stahl, weshalb der Stahlpreis selbstredend auch einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Containerpreise respektive auf die Containerindustrie hat. Aufgrund des Prinzips von Angebot und Nachfrage schwanken die aufgerufenen Preise für die Transportbehältnisse, die in der Regel aus witterungsbeständigem COR-TEN-Stahl hergestellt werden, ebenso wie die Weltwirtschaft. Im Klartext bedeutet dies, dass die Nachfrage in Wachstumsjahren zunimmt und in Jahren mit eher schwächerem Handel abnimmt. Allerdings ist der Einfluss des Stahlpreises auf den Containerpreis deutlich schwächer als dies hinsichtlich anderweitiger Stahlerzeugnisse der Fall ist. Ursächlich ist die Langlebigkeit der ISO-Container, die sie ihrer korrosionsbeständigen Sperrschicht aus Sulfaten beziehungsweise Phosphaten zu verdanken haben. Da selbst schwer beanspruchte Seecontainer damit eine Lebensdauer von bis zu 25 Jahren aufweisen, bevor diese aus dem aktiven Dienst ausgemustert werden, hält sich die Anzahl der Neuproduktionen und damit auch der Einfluss des Stahlpreises im Gegensatz zu den konjunkturellen und saisonalen Einflussfaktoren relativ in Grenzen.

Bei einem sehr hohen Stahlpreis werden die gebrauchten und ausgemusterten Container oftmals direkt verschrottet. Dies hängt damit zusammen, dass der Schrottpreis höher ist als der Wiederverkaufswert. Diese Tatsache führt zu einer Verknappung des Angebotes an Gebrauchtcontainern und hat letztendlich auch Auswirkungen auf die Preise für Container. Außerdem profitieren die Unternehmen der Containerindustrie im Umfeld eines vergleichsweise hohen Stahlpreises, da dieser als Indikator für das Prosperieren der Weltwirtschaft gilt, die mit einer Zunahme des Handels auf See, auf der Straße und auf der Schiene verknüpft ist. Unter dem Strich verdienen die beteiligten Unternehmen in Boomphasen damit nicht nur am Verkauf und der Vermietung neuer Container, sondern vor allem an deren Aufarbeitung.

Steigender Bedarf auf dem Containermarkt
Trotz der Abkühlung der Weltkonjunktur konnte der Containerumschlag im vergangenen Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr nochmals um 1,7 Prozent auf 710 Million TEU gesteigert werden, was hinsichtlich der Zahlen aus dem Jahr 2000 beinahe einer Verdreifachung entspricht. Die Zeichen stehen gut, dass der Bedarf an Containern auch in Zukunft weiter ansteigen wird, was natürlich dazu führt das die Containerpreise weiter steigen (aktuelle Preise für Container wie z.B. 40 Fuß Container kann man auf https://www.containerbasis.de/40-fuss-container/ einsehen). Freuen wird dies neben den Produzenten vor allem Unternehmen, die ihr Geld mit Mietcontainern verdienen, denn zugunsten größerer Containerschiffe setzen die etablierten Reedereien mehr und mehr auf Miet- oder Leasingmodelle. Bereits jetzt beträgt der Anteil der Mietcontainer über 47 Prozent. In Kombination mit den aktuell günstigen Rohstoffpreisen steht der Containerindustrie auf absehbare Zeit dementsprechend ein gutes Geschäft ins Haus.

Der Beitrag stammt von Samuel Ilg, Geschäftsführer der CSH - Container Services Hamburg GmbH.

Allgemeiner Hinweis der Redaktion: Der Gastkommentar legt die Meinung des Autos dar und nicht notwendiger Weise die der Redaktion von marketSTEEL.