Autor: von Angelika Albrecht

13.05.2019

Mit intelligenten Tools für den Einkauf schaffen wir für Unternehmen skalierbare Werte

Interview mit Samir Kharkan, Managing Direktor SCALUE GmbH

 

marketSTEEL: Herr Kharkan, hat Ihr Firmenname eine Bedeutung?

Samir Kharkan: Scalue ist eine Kombination aus Scale und Value. Wir wollen für unsere Kunden im Einkauf skalierbare Werte schaffen.

marketSTEEL: Was bedeutet Digitalisierung für den Einkauf in der Stahlbranche?

Samir Kharkan: Mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt sich die Stahlbranche schon seit mehreren Jahren. Sehr viele Produzenten haben inzwischen komplett automatisierte Fertigungsanlagen und Sie investieren stetig, um den Digitalisierungsgrad im Unternehmen weiterhin zu steigern. Die Einkaufsabteilung in den Unternehmen hat sich jedoch oft nicht in dem Maße technologisch entwickelt wie die anderen Bereiche im Betrieb. Obwohl die Komplexität in der Lieferkette enorm gestiegen ist und der Einkauf immer stärker datengetrieben wird.  

Um es konkret zu sagen: Früher hat es völlig ausgereicht, wenn man die Datenmengen im Unternehmen mit Excel ausgewertet hat. Heute kommt man mit diesen Steinzeittools nicht sehr weit. Man braucht neue Werkzeuge und neue Fähigkeiten. Geschäftsleitungen investieren oft sehr viel Geld in die Vertriebsabteilungen, in die Konstruktion, in Anlagen und Maschinen. Aber in den Einkaufsabteilungen wird weder in neue Technologien investiert noch in die Fortbildung der Mitarbeiter im Bereich digitaler Themen. Aber der Einkauf ist eine essenzielle Stelle im Unternehmen mit einem sehr hohen Wertbeitrag. 

marketSTEEL: Das heißt, der Einkauf ist noch immer eine sehr persönliche Angelegenheit?

Samir Kharkan: Ja und nein. Es geht vor allem um den Umgang mit verfügbaren Informationen. Vor 100 Jahren hat es gereicht, wenn man sich in einem engen regionalen Umfeld mit den Themen und Informationen beschäftigt hat. Jetzt muss man hinsichtlich Informationen und Märkte mindestens europaweit denken. Das Internet und die Internationalisierung bieten völlig neue Optionen. Das heißt, Unternehmer müssen heute global denken. Sie müssen sich neue Informationen beschaffen, auch weltweite Informationen. Aus unserer Sicht fehlt es im Einkauf vor allem an Tools und an Ressourcen, um die verfügbaren Informationen sinnvoll für die Unternehmen zu nutzen.

marketSTEEL: Das heißt, Sie haben den Anspruch, bestehende Einkaufsstrukturen neu zu denken. Wie würden Sie bei einem neuen Kunden aus dem Stahlhandel vorgehen?

Samir Kharkan: Bei einem global aufgestellten Stahlhandelsunternehmen geht es in der Regel darum, zunächst einmal die Komplexität, die üblicherweise im Handel herrscht, herunterzubrechen und transparenter zu gestalten. Ein Handelsunternehmen ist im Grunde eine Logistikfirma. Sie kaufen ein, es wird vertrieben, es laufen logistische Prozesse ab. Ein Handelsunternehmen muss seine Artikelvielfalt, seine Lagerbestände und das Working Capital - also wieviel habe ich im Bestand, wie beschaffe ich meine Produkte, wie sieht mein Cashflow aus – richtig im Griff haben.

Beim Stahlhandel würden wir zuerst einmal eine Übersicht aller Lieferanten erstellen, das dann kombinieren mit den Artikeln und mit den Preisen. Dazu kämen dann die Preisentwicklungen. Diese Informationen haben die Unternehmen in der Regel auch in ihren eigenen Warenwirtschaftssystemen. Aber oft können sie es nicht auswerten und es existieren zahlreiche Datensilos in den Unternehmen. Das heißt, der erste große Mehrwert wäre, dass alle vorhandenen und verfügbaren Informationen auf Klick abrufbar und auswertbar sind.

Der zweite große Mehrwert unserer Angebote ist, dass auch die extern verfügbaren Informationen einfließen, also z. B. Währungskurse, Prognosen von Börsen und die verschiedensten Indizes. Wenn man diese Informationen mit den Artikeln zusammenfügt, können Sie erkennen, wohin sich der Markt entwickelt. Sie sehen dann auch, welche Preise Sie realisieren können.

Dafür haben wir die Softwarelösungen. Wichtig ist, dass diese modernen Softwarelösungen keine reinen Auswertungs- und Analysetools sind. Vielmehr man kann mit intelligenten Algorithmen die Informationen so bereitstellen, dass im Anschluss ein strategischer Einkäufer oder jemand, der sehr tief im Thema steckt, daraus konkrete Aktionen ableiten kann. Es geht also nicht um reine Analysen, nicht um Datenaufbereitungskolonnen, nicht einfach nur um Kennzahlenermittlung. Vielmehr stellen wir intelligente Tools bereit, die von Spezialisten entwickelt wurden und die die Daten so verfügbar machen, dass andere Spezialisten auch damit arbeiten können. Die Einkaufsabteilungen in der Stahlbranche müssen den Weg für sich finden, diese Technologien für sich zu nutzen.

marketSTEEL: Was ist also der konkrete Nutzen für einen Einkäufer bzw. für das Unternehmen?           

Samir Kharkan: Im Einkauf geht es immer um Einsparungen: Einmal geht es um Kosten, einmal um die Prozesse. Die Stahlbranche steht unter einem enormen Kostendruck. So haben beispielsweise steigende Energiekosten, Bedarfsverschiebungen in den Zielmärkten und die politischen Risiken den Druck auf die Einkaufsabteilungen spürbar erhöht. Die Riesenmargen existieren leider nicht, die es in anderen Branchen oft gibt. Der Einkauf ist deshalb permanent bemüht, die Beschaffungskosten unter Berücksichtigung der Qualität zu reduzieren. Auch die internen Beschaffungsprozesse werden bzw. sollten regelmäßig unter anderem auf die Frage hin durchleuchtet werden: Wie beschaffe ich überhaupt meine Ware?  Mit diesen drei Bereichen im Einkauf, also Kostenmanagement, Prozessoptimierung und Transparenz, beschäftigen wir uns dann.

marketSTEEL: Welche Fragen sollten sich Unternehmen stellen auf dem Weg zu einem modernen Einkauf?

Samir Kharkan: Ich glaube, dass sich die Einkaufsabteilungen generell öfter mit neuen Themen beschäftigen müssen. Es geht heute darum, die vorhanden Informationen richtig zu erfassen, um einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen. Es gibt sehr viele einkaufsrelevante externe Faktoren zum Beispiel von Seiten der Politik oder auch Währungsschwankungen. Das führt zu viel Unsicherheit in der Planung. Dann müssen Sie sich zusätzlich die Frage stellen: Habe ich einen Lieferanten, zu dem ich eine gute Beziehung habe, dem ich vertrauen kann, der die Verfügbarkeit garantieren kann und der auch mit mir seine neuen Erkenntnisse und seine neuen Innovationen austauscht. Das ist ein hoher Wert, der weit über das Preisthema hinausgeht.

marketSTEEL: Welches sind dann die größten Hindernisse in den Firmen?

Samir Kharkan: Ich glaube, dass die Einkaufsabteilungen sehr stark belastet sind mit vielen operativen Themen und einfach sehr wenig Zeit für strategische Themen haben, wie zum Beispiel sich mit Digitalisierungsthemen weiterzuentwickeln, andere Schulungen zu besuchen, auf themennahe Veranstaltungen wie zum Beispiel IT-Security zu gehen, Lieferanten zu besuchen und auch mal über andere Fertigungsprozesse zu reden.

Ich bin überzeugt, das Thema Weiterentwicklung bzw. Weiterbildung ist ein sehr wichtiger Punkt, der zukünftig einen Wettbewerbsvorteil darstellt. 

Meiner Ansicht nach sollten die Einkaufsabteilungen ihren eigenen Wertbeitrag viel stärker gegenüber der Geschäftsführung deutlich machen. Der Vertrieb macht das hervorragend. Vertriebsabteilungen werden top geschult, auch darin, ihre Informationen richtig und beeindruckend bereitzustellen. Der Einkauf macht oft einen hervorragenden Job und ist meist für sehr hohe Summen verantwortlich, oft für 60-70% des Gesamtumsatzes. Aber die Einkaufsverantwortlichen verkaufen sich oft unter Wert. Sie sollten sich im Unternehmen besser positionieren, ihr eigenes Standing erhöhen, damit die Wahrnehmung besser wird und damit sie andere Mittel bekommen, um noch effektiver arbeiten zu können.

 

Marketsteel: Wie sehen Sie die Zukunft der Unternehmen in der Stahlbranche, wenn sie einen modernen Einkauf realisieren?

Samir Kharkan: Wenn die Branche sich mit den neuen Themen befasst, können die Unternehmen ihre Agilität steigern. Sie können viel schneller auf einzelne Veränderungen reagieren.

Nehmen wir das Beispiel der angekündigten Importzölle seitens der USA in Höhe von 25 Prozent im vergangenen Jahr. Wie schnell kann heute ein Unternehmen quantifizieren, welchen Einfluss die Strafzölle auf den eigenen Betrieb haben? Mit den neuen Methoden kann man solche externen Faktoren, sei es aus Politik, seien es Naturkatastrophen, besser bewerten. Man sollte sehr schnell quantifizieren, welchen Impakt solche Ereignisse auf die eigenen Produktionskapazitäten haben. Ebenso auf die eigenen Verfügbarkeiten, also die Klärung der Frage: Kann die Firma überhaupt die Profitabilität der Kundenaufträge einhalten?

marketSTEEL: Wie läuft es ab, wenn ein Unternehmen nun gerne einen modernen Einkauf realisieren will?

Samir Kharkan: An erster Stelle steht das Gespräch mit der Geschäftsführung und der Einkaufsleitung. Im zweiten Schritt kommt ein detailliertes Gespräch mit den Einkaufsleitungen und das Erfassen des Status Quo und der Zukunftsaussichten. Wenn wir das „Go“ haben, bereiten wir im nächsten Schritt die Daten aus den Warenwirtschaftssystemen wie zum Beispiel SAP auf. Die Software bereitet eine Vielzahl von Auswertungen vor und zeigt sehr viele Optimierungsthemen auf. Wenn die Unternehmen daran interessiert sind, auch externe Faktoren (LME, etc.) noch mit einzubeziehen, dann setzen wir die Anforderungen auch um. Stehen organisatorische Themen auf der Agenda, holen wir aus unserem Experten-Netzwerk von Einkaufsberatern und Interimsmanagern den passenden Experten dazu.

marketSTEEL: Wie lange dauert es bis Ihre Software installiert ist?

Samir Kharkan: Die Softwarelösung bieten wir als Software-as-a-Service an, das heißt, sie muss nicht installiert werden. Die Bereitstellung dauert etwa eine Woche. Die Unternehmen benötigen üblicherweise ein bis zwei Manntage aus Ihrer IT-Abteilung, daher bevorzugen viele Unternehmen unseren ressourcenschonenden Ansatz. Außerdem werden die verantwortlichen Leute geschult. Den ROI erreichen unsere Kunden nach wenigen Tagen.

 

Das Interview führte marketSTEEL mit Samir Kharkan, Managing Direktor SCALUE GmbH

Fotos: marketSTEEL