Autor: von Dagmar Dieterle

19.09.2019

Jedes Projekt für uns ist immer ein Einzelprojekt

Interview Thomas Lampe, Geschäftsführer Pieper GmbH

marketSTEEL: Herr Lampe, wie sind die neuesten Trends in der Qualitätssicherung?

Also, ich würde sagen: Die neuesten Trends der Qualitätssicherung gab es bei uns in der Stahlindustrie schon immer. Den Standard legen dabei letzten Endes die Endkunden fest.

Die Qualitätsansprüche an das Endprodukt sind dabei immer weiter gestiegen. Das bedeutet: Die Fehler- und Toleranzrate wird immer kleiner. Ansonsten wird das Endprodukt gar nicht mehr abgenommen.

marketSTEEL: Sind Ihre Hersteller mit anderen Systemen kompatibel?

Wir sind ein herstellerunabhängiger Lieferant. Wir kaufen nicht nur Kameras von Hersteller A oder B, sondern von allen Lieferanten, die wir unseren Kunden empfehlen können.

Wir haben zum Teil eigene Kameras, die wir speziell für uns bauen lassen. Zum Beispiel für die Kontrolle im Feuerraum. Alle anderen Kameras sind Standardprodukte, die wir zukaufen.

Ganz wichtig für uns ist, dass wir diese Kameras schützen. Dafür haben wir spezielle Gehäuse entwickelt. Alle Gehäuse, die wir hier auf der METEC präsentieren, stellen wir bei uns im Hause her.

Wie Sie wissen, gibt es in der Stahlindustrie eine raue Umgebung, in der eine Kamera ohne speziellen Schutz nicht lange überleben würde. Das tun wir mit unsren speziellen Gehäusen: Standard Industriegehäuse, wassergekühlte Gehäuse oder auch Feuerraumsonden.

marketSTEEL: In welcher Umgebung kann man diese Kameras einsetzen?

Also, wir gehen von den Umgebungstemperaturen bis hin zu 2000 Grad aus. Was wir machen: Wir beobachten Prozesse. Da haben Sie bei der Stahlherstellung Temperaturen um die 1500 Grad, teilweise auch bis zu 2000 Grad, wenn Sie in Richtung Hochofen gehen. Der Prozess der Stahlherstellung muss beobachtet und gegebenenfalls auch gesteuert werden. Das tun wir mit unseren Komponenten. Wir haben gleichzeitig eine eigene Abteilung, die sich um Software kümmert, und gemeinsam mit unseren Endkunden Lösungen erarbeitet. So können über unsere Systeme Prozesse gesteuert werden oder auch Daten in das bestehende PLC-System des Endkunden eingebunden werden.

marketSTEEL: Wie erfolgt die Auswertung der Daten?

Die Auswertung kann grundsätzlich automatisch passieren. Das eine ist dabei der Prozess selber, der beobachtet wird, das andere die Kontrolle der Gefäße.

Es gibt zum Beispiel eine Software, die erkennt, wie viel Schlacke sich auf der Oberfläche befindet.

In diesen Bereichen weiß unser Kunde genau: Wenn ich hier den Betrag X investiere, habe ich das in so und so viel Monaten wieder heraus, weil ich dann an dieser Stelle kein Personal mehr brauche.

Eine andere Beobachtung: Wenn eine Pfanne durchbricht ist das Chaos in einem Stahlwerk erst einmal groß. Wir haben Kameras, die speziell das beobachten.  Durch Wärmerkennung lässt sich der Zustand der Pfanne exakt beobachten. Dadurch hat man die Möglichkeit eine Pfanne bis zu 20 Prozent länger im Einsatz zu lassen. In diesem Fall rechnet sich eine Kameraanlage natürlich sehr schnell.

marketSTEEL: Welche Kunden haben Sie?

Wie bauen zum Beispiel speziell Kameras für Dienstleister, die Hochöfen mit Beton ausspritzen. Diese Dienstleister können ihren Prozess durch unsere Kameras exakt dokumentieren und auch Details, wie herausgebrochene Steine, direkt beobachten.

Jedes Projekt für uns ist immer ein Einzelprojekt. Es geht zwar immer um dasselbe Produkt, das wir verwenden. Aber der eine Kunde braucht die Kamera dünner, der andere länger, der eine radial, der andere axial.

Hier stimmen wir uns direkt mit unseren Kunden ab. Und das tun wir weltweit! 60 Prozent unserer Aufträge sind internationalen Ursprungs. Von diesen 60 Prozent gehen ungefähr 30 Prozent direkt von uns zum Endkunden. Die anderen 30 Prozent liefern wir über Generalunternehmer wie Siemens oder SMS.

marketSTEEL: Wie viele Kameras verbauen Sie im Durchschnitt in einem Projekt?

Das ist natürlich schwer zu sagen, weil jedes Projekt sehr unterschiedlich ist. In einem Projekt bei haben wir zum Beispiel 500 Kameras verbaut.

Eine solche Anzahl kommt dadurch zustande, dass jeder Prozess, der visualisiert werden soll, auf eine Kamera angewiesen ist.  Wir sprechen hier von Kameras im Produktionsprozess, die wir mit unseren Gehäusen und unserer Software für den Endkunden vorbereiten.

marketSTEEL: Wie funktioniert die Datenauswertung? Wo sind die Schnittstellen zu anderen Systemen?

Die Schnittstellen können im einfachsten Fall Kontakte sein. Heute, in Zeiten der Industrie 4.0. sind es jedoch meistens PLC-Systeme, die den Datenfluss steuern und auswerten.

So kann man das, was man früher nur vor Ort machen konnte aus der Ferne per Laptop auswerten.

Irgendwo wird es immer eine Schnittstelle geben: Ob es nun eine Rs485 oder 4 bis 20 Milliampere-Schnittstelle ist: Unser Kunde sagt, was er hat, und wir lösen das.

marketSTEEL: Ein weiteres wichtiges Thema ist die Brandfrüherkennung. Wie unterstützen Ihre Systeme diese?

Bei der Brandfrüherkennung möchte ich das Ganze in zwei Systeme aufteilen. Der eine Fall: Ich erkenne Rauch, der entsteht, bevor es anfängt zu brennen. Das kann ich über visuelle Systeme erkennen.

Das zweite ist die Thermografie. Hier kann ich mit Thermokameras Temperaturen messen. Jeder Pixel auf dem Sensor ist dabei eigentlich ein Thermometer, das Temperaturen misst. Ich kann dieses System also entsprechend kalibrieren und in Schnittstellen einbinden, die zum Beispiel bei bestimmten Alarmwerten direkt bei der Feuerwehr einen Alarm auslösen kann.

marketSTEEL: Ein weiteres Einsatzgebiet Ihrer Sensoren ist die Inspektion von Oberflächen. Wie kann man sich das vorstellen?

Die Inspektion der Oberflächen ist überall relevant, wo fertiges Material kontrolliert werdenmuss. Die grundsätzliche Frage ist hier immer: Wie ist der Qualitätsanspruch des Kunden und welche Systeme sind für diesen Anspruch relevant.

Es gibt in diesem Fall ein Pflichten- und Lastenheft, in dem der Endkunde festlegt, was er benötigt.

marketSTEEL: Stichwort Industrie 4.0. Wie verändert das ihre Systeme?

 Wir haben uns schon immer mit Automatisierung von Prozessen beschäftigt. Ob man das jetzt 4.0. oder Automatisierung nennt: Wichtig ist, welche Systemansprüche der Kunde hat und wie wir diese Systemen anpassen können.

 

Fotos: marketSTEEL

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