Autor: von Dagmar Dieterle

02.04.2019

Digitalisierung im Stahlhandel – Warum haben Stahlhändler so viel Respekt?

Interview mit Thorsten Studemund und Markus Fischer, Geschäftsführer Voß Edelstahlhandel GmbH & Co.KG

 

marketSTEEL: Was verstehen Sie unter Digitalisierung bzw. was ist im Stahlhandel sinnvoll?

Thorsten Studemund:

Unsere Branche hat das Thema mittlerweile aufgenommen und wir empfinden auch, dass die Globaldiskussionen über Amazone und WEB – Shop abgeflacht sind. Wir alle gehen heute mehr in die Tiefe des Themas und haben auch erkannt, dass es viele Tools im Bereich der Digitalisierung gibt, die uns einfach besser, schneller und effizienter machen. Dazu gehört, dass wir unsere Prozesse im kompletten Betrieb heute so digitalisieren, dass quasi als Endergebnis unserer Arbeit und Investitionen die Daten zur Präsentation im WEB – Shop oder auf einer Plattform präsentiert werden können. Letztlich geht es um Datenaustausch auf effizientestem Weg mit Lieferanten und Kunden.

     

marketSTEEL: Digitalisierung im Stahlhandel – Warum haben Stahlhändler so viel Respekt?

Thorsten Studemund:

Man muss erkennen, dass wir alle uns lange Zeit nicht angesprochen gefühlt haben. Wir mussten über viele Jahre die kalkulatorische Herausforderung von kleiner werdenden Losgrößen, von Logistikanforderungen und steigendem Dokumentationsanforderungen meistern. Stichwort:“ Service muss bezahlt werden!“ Diesen Punkt haben die meisten Unternehmen unserer Branche erreicht. So ist es folgerichtig, dass jetzt erst die Fragen nach effizienterer Umsetzung folgen.

Markus Fischer:

Ein weiterer Punkt ist ganz sicher, dass der Stahlhandel eher zu den „old fashion-Branchen“ gehörte. Viele haben zunächst die Vorteile der Digitalisierung nicht erkannt, weil man die Hauptbegründung in möglichem Wachstum gesucht hat. Heute erkennen wir den Service- und Effizienzfaktor.

 

marketSTEEL: Welche Schritte sind Sie gegangen und wie profitiert Voß Edelstahl? Welche Erfahrungen haben Sie bislang gemacht?

Markus Fischer:

Wir haben bereits vor vielen Jahren begonnen, unsere Prozesse im Betrieb zu standardisieren. Das fängt mit der Investition von vollautomatischen Hochregalanlagen an und geht dann weiter in die Administration mit Tools, wie „Barcode“, „Workflow“ und digitaler Dokumentdatenaustausch. Doch bevor man diese Prozesse verändert, muss man einen langen Weg der Mitarbeiterschulung gehen. Diese wiederum müssen dann die entsprechenden Geschäftspartner mit einbinden. Dies fängt in der Beschaffung an und hört um Versand auf.

Thorsten Studemund:

Unsere Erfahrung ist, dass wir Vorteile haben in den Bereichen „Zuverlässigkeit“, „Kundenbindung“ und „Fehlervermeidung“! Gleichzeitig wird das Image der Unternehmung moderner, was bei der Problematik gute Mitarbeiter zu finden immer ein Pluspunkt ist.

 

marketSTEEL: Auf dem Digiday des BDS/EHV sagten Sie „Digitalisierung wird die Geschäftsmodelle nicht ändern“. Was meinen Sie hier genau?

Thorsten Studemund:

Digitalisierung ist letztlich ein Tool, ein Service, den man sich ankauft und nutzt, wie einen Rechtsanwalt oder einen Steuerberater. Unser Unternehmen hat ein fest definiertes Geschäftsmodell, welches durch die Digitalisierung nicht verändert, wohl aber weiterentwickelt und modernisiert wird.

 

Voß Edelstahlhandel GmbH & Co. KG, Neu Wulmstorf beliefert ausschließlich den Handel und niemals Endverbraucher oder Handwerk. Ein Versprechen, das seit über 40 Jahren bei Voß uneingeschränkte Gültigkeit hat. Das Lieferspektrum umfasst über 8.000 verschiedene Produkte im Bereich Langprodukte aus Edelstahl, Aluminium und Messing. Zehn Niederlassung, strategisch in Europa verteilt, und der Export in 15 Länder sowie enge Kooperationen mit langfristigen Partnern unterstreichen die internationale Wettbewerbsfähigkeit. www.voss-edelstahl.de