Autor: von Dagmar Dieterle

17.12.2018

Digitalisierte Absaugtechnik

Auch beim Arbeitsschutz für die metallverarbeitende Industrie ist Digitalisierung gerade Top-Thema. Welchen Nutzen sie in der Absaugtechnik insbesondere im Mittelstand stiftet, erklärt Björn Kemper, Geschäftsführer der KEMPER GmbH, im Interview mit marketSTEEL.

 

marketSTEEL: Den Arbeitsschutz zu digitalisieren, klingt beim ersten Hören für manchen vielleicht abwegig. Warum führt aus Ihrer Sicht am Arbeitsschutz 4.0 kein Weg vorbei?

Björn Kemper: Die Digitalisierung ist auch für den Arbeitsschutz das Zukunftsthema schlechthin. Hinter Arbeitsschutz verbergen sich in der Regel immer Sekundärprozesse, die neben primären Aufgaben geleistet werden müssen. So muss ein Schweißer beispielsweise einen Absaugarm beim Schweißen nachführen, damit der Schweißrauch an der Entstehungsstelle optimal abgesaugt wird. Um die Arbeitsschutz-Prozesse effizienter zu gestalten, bietet die Digitalisierung zahlreiche Vorteile. Dazu zählt auch, dass wir heute den Feinstaub bis in den ultrafeinen Bereich messen können und sich Absauganlagen bei hohen Konzentrationen von alleine nach Bedarf einstellen.

 

marketSTEEL: Wie setzen Sie die Digitalisierung Ihrer Absaugtechnik in die Tat um?

Björn Kemper: Bei unserer Lösung ist die Cloud das zentrale Tool zur Realisierung von Arbeitsschutz 4.0. Dieses internetbasierte Steuerungselement vernetzt alle Anlagen miteinander. Unser Luftüberwachungssystem AirWatch beispielsweise misst die Feinstaubkonzentration permanent und liefert die Daten an die Cloud weiter. Werden Grenzwerte, die hinterlegt sind, überschritten, schalten sich Absauganlagen oder Raumlüftungssysteme automatisch ein. Die Parameter lassen sich ortsunabhängig über Webbrowser von Smartphone, Tablet oder PC überwachen. Das mehrstufige Verwaltungssystem ermöglicht eine individuell auslegbare Flottenverwaltung, auf die nach Bedarf Unternehmen, Händler, Service und Hersteller zugreifen können. So wird auch die vorausschauende Wartung Realität.

 

marketSTEEL: Ist die Integration externer Systeme möglich?

Björn Kemper: Ja, auf jeden Fall. Das war unser Anspruch hinter der Technologie. Wir wollten eine offene Plattform schaffen, die herstellerunabhängig und in Betrieben einfach realisierbar ist. In Betrieben sind wir oft auf unzureichende IT-Infrastrukturen in Produktionshallen und auf Sicherheitsbedenken bei Verantwortlichen gestoßen. Wir haben eine Verbindungsmöglichkeit geschaffen, die auf Mobilfunkstandard basiert. Internet-of-Things-fähige Anlagen und Geräte lassen sich darüber einfach mit der Cloud verbinden. Ein Eingriff in das lokale Firmennetzwerk ist nicht nötig.

 

marketSTEEL: Wie sieht Ihre Vision für 2025 aus?

Björn Kemper: Wir beschäftigen uns bereits seit einigen Jahren mit dem Thema Digitalisierung des Arbeitsschutzes und haben dabei einen Lernprozess durchlaufen, der weiterhin andauert. Wir wollen bis 2025 circa 80 Prozent unseres Portfolios digitalisieren. Damit erleichtern wir Schweißern die Arbeit ungemein, indem sie sich auf ihre Hauptaufgaben voll konzentrieren können. Irgendwann wollen wir bei der Digitalisierung des Arbeitsschutzes bei 100 Prozent landen. Diese Vision für eine gesunde Hallenluftqualität treibt uns immer weiter an.

 

 

Foto: Kemper

Mehr Informationen finden Sie unter Kemper.eu