Autor: von Dagmar Dieterle

11.06.2019

Die Kräfte im Markt haben sich verschoben

Interview marketSTEEL mit Herrn Matthias Altendorf, CEO der Endress+Hauser Gruppe

 

marketSTEEL: Die Digitalisierung elektrisiert die Branche. Welche Rolle spielt das Thema heute bei Endress+Hauser?

Altendorf: Das Ganze beginnt schon damit, dass die Produktion unserer Messgeräte in hohem Maße digitalisiert stattfindet. Von der Geburtsurkunde des Geräts an erfassen wir jeden Schritt und können diese Informationen digital bereitstellen. Wir sorgen für Konnektivität, drahtgebunden oder drahtlos, über verschiedene Protokolle. Und mit Netilion bieten wir unseren Kunden ein Ökosystem fürs industrielle Internet der Dinge, das ihnen ermöglicht, das Potenzial der Digitalisierung für sich nutzbar zu machen – etwa durch webbasierte Anwendungen oder mit Hilfe von Gesamtpaketen für bestimmte Aufgaben. Wir sind technisch sehr weit. Jetzt müssen wir mit den Kunden die richtige Umsetzung erarbeiten.

marketSTEEL: Was unterscheidet diesen Ansatz von dem anderer Anbieter?

Altendorf: Ein wesentlicher Punkt ist, dass wir frei sind hinsichtlich eines Leitsystems. Wir machen das, was unseren Kunden dient, und nicht, was unserer Architektur dient. Dazu haben wir immer auf offene Standards gesetzt und arbeiten mit vielen Systempartnern zusammen. Unsere Partnerschaft mit SAP beispielsweise hilft, die Informationen aus dem Feldgerät ins ERP-System hineinzubekommen.

marketSTEEL: Viel Aufmerksamkeit erhält auch das Thema Analyse?

Altendorf: Wir hatten die vergangenen zehn Jahre immer ein bestes Jahr in der Analyse. Warum? Wir haben uns darauf konzentriert, es den Kunden einfach zu machen, Analysetechnik einzusetzen. Unsere Philosophie besteht darin, die Komplexität so in den Geräten zu verpacken, dass diese einfach zu bedienen sind. Zudem haben wir standardisiert, was möglich ist, so dass die Kunden die Dinge nur einmal lernen müssen. Die neuen Technologien, die wir durch Zukäufe gewonnen haben, entwickeln sich sehr gut. Sie helfen unseren Kunden, die Kosten massiv zu senken.

marketSTEEL: Wie sieht es im Bereich der Laboranalyse aus?

Altendorf: Wir werden die Laboranalyse kontinuierlich weiterentwickeln. Das betrifft zum einen das Angebot. Wir werden die Produkte von Analytik Jena für die chemische Analyse mit weiteren Innovationen versehen und sie auch um neue Technologien ergänzen. Zum anderen stärken wir den Vertrieb. Wir möchten die Oberfläche zum Markt vergrößern und den Kunden den besten Service bieten. Aber es braucht Zeit, bis diese Strategie vollumfänglich greift.

marketSTEEL: Im Management der Gruppe hat es Änderungen gegeben. Andreas Mayr trägt jetzt als COO die Verantwortung für das operative Geschäft. Was steckt hinter diesem Schritt?

Altendorf: Wir haben uns drei große Blöcke vorgenommen. Wir möchten in der Digitalisierung vorne bleiben, in unseren Produkten, den Abläufen, unseren eigenen Systemen. Zum zweiten wollen wir die Laboranalyse stärken und das Labor noch weiter ins Feld bringen. Und drittens wollen wir das Unternehmen langfristig strategisch weiterentwickeln. Um diese Themen möchte ich mich mit Priorität kümmern. Das braucht Zeit und Kraft, und genau dafür verschafft mir Herr Mayr Freiräume. Dazu kommt: Endress+Hauser ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Die Gruppe zählt heute 14.000 Menschen. Wir sind in 50 Ländern zu Hause, produzieren auf fünf Kontinenten. Eine wichtige Aufgabe ist, unsere Firmenkultur in die Welt zu tragen und zu verankern, um als ein Unternehmen zu den Kunden hin sichtbar zu sein. Die Kultur bindet, sie schafft Vertrauen bei den Kunden – das ist extrem wichtig für uns.

 

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Fotos: Christoph Fein, Andreas Pohlmann