Autor: von Hubert Hunscheidt

13.05.2019

thyssenkrupp wird sich strategisch neu ausrichten

Der Vorstand der thyssen AG hat die strategischen Optionen für das Unternehmen neu bewertet und wird dem Aufsichtsrat vorschlagen, die geplante Teilung in zwei eigenständige, unabhängige Unternehmen abzusagen.
 
Die konjunkturelle Eintrübung und deren Auswirkungen auf die geschäftliche Entwicklung sowie das aktuelle Kapitalmarktumfeld führen dazu, dass die Teilung nicht wie vorgesehen dargestellt werden kann. thyssenkrupp wird sich stattdessen grundlegend neu ausrichten, um die operative Leistungsfähigkeit entscheidend zu verbessern. Dazu gehören ein wertorientierter flexibler Portfolioansatz mit mehr Freiheit für die Weiterentwicklung aller Geschäfte, eine schlankere Holding-Struktur (laut dem Handelsblatt sollen 4.000 bis 6.000 Stellen gestrichen werden) sowie eine stärkere Performance-Orientierung. 
 
Gleichzeitig wird das Unternehmen die Kapitalbasis nachhaltig stärken, um die notwendigen finanziellen Freiheitsgrade für erforderliche Restrukturierungen und die Weiterentwicklung der Geschäfte zu gewinnen. Dazu wird der Vorstand der thyssenkrupp AG dem Aufsichtsrat im Rahmen dieser neuen Strategie auch einen Börsengang von Elevator Technology vorschlagen. Wegen des Ausbleibens des Joint Ventures wird thyssenkrupp die erwarteten Buchgewinne aus dem Closing des Stahl-Joint Ventures nicht realisieren.
 
Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs wird thyssenkrupp die Business Area Steel Europe wieder in den Konzern eingliedern. Das wird auch zu einer Anpassung der Prognose für das Geschäftsjahr 2018/19 führen. Der Konzern erwartet aus heutiger Sicht – inklusive des Stahlbereichs – ein Bereinigtes EBIT bei 1,1 bis 1,2 Mrd €. Der Free Cashflow vor M&A wird negativ im hohen 3-stelligen Millionen-€-Bereich erwartet. Beim Jahresüberschuss erwartet der Konzern einen Fehlbetrag. Die angepasste Konzernprognose wird thyssenkrupp mit dem Bericht zum 2. Quartal am 14. Mai 2019 veröffentlichen.
 
thyssenkrupp Steel Europe AG ist neben anderen Unternehmen Gegenstand von Ermittlungsverfahren zu mutmaßlichen Kartellabsprachen bei Grobblech und Qualitätsflachstahl. Das Verfahren in Sachen Qualitätsflachstahl ist zwischenzeitlich eingestellt worden. Aufgrund weit fortgeschrittener Gespräche mit dem Bundeskartellamt geht thyssenkrupp davon aus, das Verfahren in Sachen Grobblech zeitnah einvernehmlich abschließen zu können.
 
In der Prognose hat der Konzern auch eine Erhöhung der bestehenden Rückstellung um etwas mehr als 100 Mio € für das laufende Kartellverfahren bei Grobblech berücksichtigt. Die Rückstellung wird damit auf den Betrag des erwarteten Bußgelds angehoben. Der Free Cashflow des Konzerns könnte durch eine Auszahlung dieser Buße in diesem Geschäftsjahr zusätzlich belastet werden.
 
Quelle und Vorschaufoto: thyssenkrupp AG