China verkauft staatliche Reserven an Öl und Metallen

von Angelika Albrecht

Die Ölpreise sind gefallen und wieder gestiegen. Der Ölmarkt bleibt auch nach den Produktionserhöhungen der OPEC+ bis zum Jahresende eher unterversorgt. Dazu kommen laut Commerzbank der Risikoappetit in die Finanzmärkte und die DOE-Lagerdaten, die weniger belastend als die API-Zahlen am Vortag waren. Die US-Rohölbestände sind in der letzten Woche zwar erstmals seit Mai gestiegen, sie liegen mit knapp 440 Mio. Barrel allerdings noch immer 3,4% unter dem Durchschnittsniveau der Jahre 2015-19.

Auch anderswo bleibt die Nachfragedynamik stark, trotz der erneuten Sorgen vor coronabedingten Einschränkungen und der massiv gestiegenen Preise. Wie die Commerzbank berichtet, befürchtet China, dass die hohen Öl- und Rohstoffpreise auch längerfristig die Inflationsrisiken erhöhen und sagt ihnen den Kampf an. Beobachtern zufolge wurden kürzlich 3 Mio. Tonnen bzw. 22 Mio. Barrel aus den Strategischen Ölreserven an die Ölraffinerien im Land verkauft. Diese hatten im Juni zwar eine rekordhohe Menge von 14,8 Mio. Barrel täglich an Rohöl verarbeitet. Doch die täglichen Rohölimporte Chinas lagen im Juni den dritten Monat in Folge unter 10 Mio. Barrel. China hat in der ersten Jahreshälfte 260,7 Mio. Tonnen Rohöl importiert, 3% weniger als im Vorjahr. China ist der mit Abstand größte (Netto-)Ölimporteur.


Industriemetalle: China verkauft weitere Staatsreserven

Laut einer Meldung der nationalen Behörde für Nahrungsmittel und strategische Reserven wird China nächste Woche weitere Staatsreserven von Metallen freigeben. Demnach sollen am 29. Juli 30 Tsd. Tonnen Kupfer, 50 Tsd. Tonnen Zink und 90 Tsd. Tonnen Aluminium verkauft werden. Dies sind zusammengenommen 70 Tsd. Tonnen mehr als bei der ersten Auktion am 5. Juli (20 Tsd. Tonnen Kupfer, 30 Tsd. Tonnen Zink, 50 Tsd. Tonnen Aluminium). Die Commerzbank meint, die Behörde wolle mit diesem Schritt die Erwartungen stabilisieren und die Preise abkühlen.

In einer ersten Reaktion sind die LME-Metallpreise allerdings nicht gefallen, sondern gestiegen. Kupfer handelte zeitweise bei knapp 9.400 USD je Tonne, Zink und Aluminium hatten einen Teil ihrer anfänglichen Verluste wettgemacht. Die Commerzbank meint, einige Marktteilnehmer hielten die Staatsverkäufe offenbar für noch nicht hoch genug, um die Nachfrage zu befriedigen. Laut Commerzbank will die chinesische Behörde jedoch bis Jahresende immer wieder Reserven veräußern.

Im weiteren Handelsverlauf sind die Metallpreise dann wieder ein Stück zurückgekommen. Wie aus einem Statement der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission in China hervorgeht, wurden die Lokalregierungen aufgefordert, die Preiskontrolle und das Erwartungsmanagement zu intensivieren. Mit den bislang ergriffenen Maßnahmen ist es den chinesischen Behörden „nur“ gelungen, weitere Preisanstiege zu verhindern. Zu einer nachhaltigen Korrektur ist es noch nicht gekommen. Hierzu bedarf es offenbar noch strikterer Maßnahmen bzw. es muss wohl ein grundsätzlicher Stimmungsumschwung an den Finanzmärkten einsetzen. Bislang wurden Verluste relativ schnell wieder aufgeholt.

Quelle: Commerzbank AG / Vorschaubild: fotolia

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