Autor: von Dagmar Dieterle

11.07.2018

Tradition und Innovation aus der Eifel

Roland Mertens, Vertriebsleiter beim Schoeller Werk, berichtet im Gespräch mit marketSTEEL über Neuentwicklungen beim Rohrhersteller und steigende Marktanforderungen.

 

marketSTEEL: Welche Produkthighlights hat das Schoeller Werk auf der diesjährigen Tube präsentiert?

Roland Mertens: Wir sind in drei Produktbereichen aktiv: Automotive, Energie und Industrie. Das Schoeller Werk hat im vergangenen Jahr sein Produktportfolio im Bereich längsnahtgeschweißter Edelstahlrohre für Hochdruckeinspritzsysteme von Ottomotoren erweitert. Dem Fachpublikum haben wir im Automotive-Bereich die neuen Produkte aus Lean-Duplex-Werkstoffen und austenitischen Chrom-Nickel-Stählen vorgestellt, die mit einer Streckgrenze von 500 MPa dem Bedarf nach geringerem Kraftstoffverbrauch und weiter reduzierten CO2-Emissionen gerecht werden.

Im Energiebereich haben wir in hochmoderne Ziehanlagen investiert und somit unsere Produktionskapazitäten für den gesamten Öl- und Gasbereich weiter ausgebaut.  Und im Industriebereich haben wir auf der Tube den sehr interessanten neuen Werkstoff VDM Alloy 31Plus präsentiert. Er weist eine besonders hohe Beständigkeit unter oxidierenden Bedingungen auf, daher eignet sich der Werkstoff vor allem für Anwendungsgebiete in der chemischen Prozesstechnik, für Komponenten in der Rauchgasentschwefelung und der Müllverbrennung sowie in Anlagen zur Herstellung und Aufbereitung von Schwefel- und Phosphorsäure.

 

marketSTEEL: Wie reagiert das Schoeller Werk auf steigende Marktanforderungen?

Roland Mertens: Auf der einen Seite haben wir unseren Vertrieb gezielt neu ausgerichtet und strategisch für die einzelnen Segmente aufgestellt. In diesem Zuge haben wir auch einen technischen Vertrieb eingerichtet, weil die Beratung und Entwicklung von individuellen Lösungen heute immer wichtiger wird. Auf der anderen Seite investieren wir auch in technologische Weiterentwicklungen. Durch die Automatisierung und Modernisierung unseres Maschinenparks wollen wir uns bei den technologischen Werten, den Toleranzen und bei der Sauberkeit der Rohre von unseren Wettbewerbern absetzen. Da sind wir auf einem guten Weg: Das Schoeller Werk ist beispielsweise als einer der ersten Rohrhersteller nach IATF 16949, dem neuen Qualitätsmanagement-Standard der Automobilindustrie, zertifiziert worden. Zugute kommt uns dabei auch, dass wir an unserem Standort in Hellenthal vor drei Jahren ein neues Technikum in Betrieb genommen haben. Dort führen wir mit Hilfe von modernsten Prüftechnologien umfassende kundenspezifische Materialprüfungen durch.

 

marketSTEEL: In welchen Bereichen treibt das Schoeller Werk die Digitalisierung voran?

Roland Mertens: Wir haben ein komplett neues ERP-System installiert, was die Basis für die Digitalisierung der Zukunft ist. Wir haben die Betriebsdatenerfassung voll integriert und arbeiten an Maschinenkonzepten, um kostengünstiger produzieren zu können. Aktuell läuft ein Projekt im Bereich Produktdatenmanagement: Ziel ist es, unsere Produktionsdaten noch konsequenter auszuwerten, um wichtige Informationen zu Prozessschwankungen und Abweichungen zu erhalten, um anschließend gezielte Maßnahmen zur nachhaltigen Effizienzsteigerung durchzuführen. Durch die Vernetzung unserer Maschinen können wir den Kunden zudem wertvolle Daten liefern.

Generell ist die Vernetzung mit unseren Kunden ein wichtiges Thema. Neben der Produktion treiben wir die Digitalisierung im Vertrieb voran. Die nächste Generation Einkäufer wird vermutlich viel mehr über das Internet bestellen, daher beschäftigen wir uns auch mit einem Online-Produktkonfigurator. Mit dem neuen System haben wir den Grundstein für einen erfolgreichen Weg gelegt.

 

marketSTEEL: Auf welchen Märkten bewegt sich das Schoeller Werk?

Roland Mertens: Deutschland ist mit rund 60 Prozent Umsatz unser wichtigster Markt. Daneben liefern wir vorwiegend in die EU. Durch Sanktionen oder Strafzölle sind die Lieferbeziehungen in Drittländer in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Die drohenden US-Stahlzölle haben auf unser Unternehmen daher keine Auswirkungen. Derzeit machen wir eine Portfolioanalyse und überlegen uns, welche Märkte wir stärker in den Fokus stellen wollen. Im Öl- und Gasbereich haben wir unsere Kapazitäten ausgebaut, da wir dort künftig wieder mit einer positiveren Entwicklung rechnen. Das Schoeller Werk ist in Hellenthal beheimatet. Im Sinne einer Internationalisierungsstrategie denken wir durchaus über den Aufbau von Vertriebsbüros und von Konsignationslagern im Ausland nach.

marketSTEEL: Zum Schluss noch eine Frage zur Unternehmensphilosophie. Wie würden Sie das Schoeller Werk in einem Satz beschreiben?

Roland Mertens: Das Schoeller Werk ist ein weltweit agierender Premiumlieferant für längsnahtgeschweißte Rohre aus der Eifel. Und ein wenig ausführlicher: Mit seinen 1052 Mitarbeitern steht das im Jahr 1827 gegründete Familienunternehmen für Tradition, Innovation und Kompetenz.

 

Das Schoeller Werk ist einer der international führenden Hersteller von längsnahtgeschweißten Edelstahlrohren. Das Produktportfolio des 1827 gegründeten Unternehmens umfasst WIG- und lasergeschweißte Edelstahlrohre sowie nachgezogene Präzisionsrohre. Diese liefert das Unternehmen in geraden Herstell- und Fixlängen sowie als Ringrohre. Jedes Jahr werden in dem modernen Maschinenpark des Schoeller Werks rund 90 Millionen Meter Edelstahlrohre hergestellt und dann in den verschiedensten Anwendungen der Bereiche Automobil, Industrie und Energie eingesetzt.

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Bilder: marketSTEEL, Schoeller Werk