Autor: von Dagmar Dieterle

25.05.2018

Industrie 4.0 – Chancen nutzen. Heute. Morgen

marketSTEEL: Industrieunternehmen aus Deutschland erwächst in Asien und zunehmend auch in Südamerika starke Konkurrenz, die mittelfristig ihre internationale Wettbewerbsposition gefährden kann. Unternehmen, etwa aus China, steigern ihre Produktivität und Innovationskraft, zugleich be-schleunigen sich die Innovationskreisläufe in vielen Technologiefeldern, und die Märkte werden volatiler. Stimmt, stimmt nicht?

Erwin Telöken: Genau deshalb ist es umso wichtiger für den Mittelstand, auf die sich verändernden Bedingungen globaler Märkte zu reagieren. Immer kürzere Produktions- und Arbeitsprozesse und der zunehmende Verdrängungswettbewerb sind die Herausforderungen, denen sich der Mittelstand stellen muss. Die Lösungsansätze von Industrie 4.0 erlauben es, Produktionsnetzwerke aufzubauen, die effizient und effektiv zu geringen Kosten produzieren.

marketSTEEL: Kann Industrie 4.0 Antworten liefern, um auf Herausforde-rungen wie knappere Rohstoffe, steigende Energiepreise oder das zuneh-mende Durchschnittsalter der Beschäftigten Antworten zu finden?

Erwin Telöken: Industrie 4.0 liefert uns vielschichtige Antworten auf diverse Herausforderungen, auch wenn sich diese nicht immer gleich erschließen. Die Verfügbarkeit von Informationen in Echtzeit durch die Vernetzung aller Beteiligten im gesamten Prozess führt zu besser genutzten Ressourcen und optimalen Produktionsabläufen. Dabei bleibt der Mensch Mensch. Menschen werden auch zukünftig die entscheidenden Treiber sein, wenn es darum geht, Innovationen zu schaffen, Produkte und Dienstleistungen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Viele Industriezweige verjüngen sich. Mit Industrie 4.0 ist es möglich, viele Beschäftigte ihrer Befähigung und Ausbildung entsprechend einzusetzen. Neue Industriezweige werden entstehen, Service und Flexibilität werden steigen.

marketSTEEL: Ist Industrie 4.0 eher Fluch oder Segen, um durch flexiblere Wertschöpfungsprozesse und –netzwerke Wettbewerbsvorteile zu heben?

Erwin Telöken: Die grundlegende Veränderung liegt in der Art und Weise, wie diese Produkte und Dienstleistungen zukünftig produziert und umgesetzt werden.
Natürlich hat jeder seine Sichtweise, ob dies eher Fluch oder eher Segen bedeutet. Klar ist jedoch: Der moderne Betrieb kommt um diesen Segen der Indust-riealisierung nicht herum. Die Stärke liegt in Informationen, modernen Kommunikationstechnologien, optimierter Produktions- und moderner Arbeitsplatzgestaltung sowie geschulten Mitarbeitern. Konkret bedeutet das für Unternehmen, sich individueller und schneller auf Kundenwünsche einstellen zu können sowie eine hohe Produktivität von z.B. Stückzahl ab 1 zu Preisen einer Massenproduktion.

marketSTEEL: Wo und wie sollten sich mittelständische Unternehmen aus dem (metall-) verarbeitenden Bereich aufstellen, um sich auf Industrie 4.0 vorzubereiten?

Erwin Telöken: “Smart Factories” heißt hier die Zukunft und die betrifft alle Geschäftsbereiche eines Unternehmens, angefangen von der Geschäftsleitung, Entwicklungsabteilung über die Produktion bis hin zum Service. Für eine weitestgehend selbst organisierte Produktion müssen Abläufe, Verknüpfungen und Optimierungen analysiert werden. Der Mittelstand hat hier durchaus seine Chancen. Entwicklungen, so auch bei 4.0, fanden schon immer im Mittelstand ihren Anfang. Es gilt den Einzelkämpfer-Modus zurückzustellen. Gerade auch die Vernetzung mit anderen mittelständischen Firmen kann hier Treiber sein. Auch in kleinen Schritten kann man Industrie 4.0 zum Leben erwecken. Viele Lösungsansätze sind bereits vorhanden. Der Nutzen von Industrie 4.0 entfaltet sich aber erst durch die geschickte Verknüpfung.

marketSTEEL: Können sich mittelständische Unternehmen notwendige Investitionen in Industrie 4.0-Prozesse überhaupt leisten? Wie viel muss investiert werden?

Erwin Telöken: Nun, Stillstand ist Rückgang. Das ist Chance und (Investitions-) Last zugleich. Wer nicht in die Digitalisierung investiert, kann auf Dauer bei Industrie 4.0 nicht vollwertiger Teilnehmer sein und muss dann zwangsläufig Wettbewerbsnachteile in Kauf nehmen. Um die Kostenbelastung zu reduzieren, sollten Unternehmen den Zugang zu möglichen Förderprogrammen, Zuschüssen und auch speziellen Förderkrediten prüfen, wie z.B. zum ERP-Innovationsprogramm (Innovationsförderung in Prozessinnovation), IKT 2020-5G (Fördermittel für industrielles Internet), KFW-Unternehmerkredit Plus (Fördermittel für innovative Unternehmen) oder ZIM (Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand), technologie- und branchenoffene KMU Förderung, um nur einige zu nennen.

marketSTEEL: Industrie 4.0 erleichtert das Arbeiten, nimmt aber auch das Denken ab. Stimmt/stimmt nicht?

Erwin Telöken: Industrie 4.0 nimmt auf keinen Fall das Denken ab! Das Gegenteil ist der Fall! Derzeit gibt es so viele Bewerber um Studiengänge wie noch nie. Die Anforderungen an die Berufsausbildung sind so hoch wie noch nie. Es sind und werden noch neue Berufsbilder entstehen. Bei einfachen, wenig erklärungsbedürftigen und modularen Produkten mit einer geringen Komplexität wird der Eingriff durch den Menschen wegfallen. Allerdings werden viele neue Industriezweige entstehen und neue Arbeitsplätze geschaffen. Für einen erfolgreichen Weg zu Industrie 4.0 brauchen wir eine neue Kultur der Weiterbildung und einen fortwährenden Dialog zwischen Industrie, Politik und Gesellschaft, um sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und anzupassen.  

marketSTEEL: Fast jeder Arbeitsplatz ist in Zukunft von der Digitalisierung betroffen. Welche Auswirkungen hat das für Mitarbeiter konkret?

Erwin Telöken: Es wird sicher eine Verlagerung der Tätigkeiten im 4.0-Prozess geben. Bei komplexen Anforderungen wird der Eingriff durch einen qualifizierten Mitarbeiter notwendig bleiben. Dieser wird mehr Entscheidungen treffen, die den Produktionsablauf betreffen bzw. sogar in den kompletten Produktionskreislauf eingreifen. Es ist ein Wandel, der auch vorteilhaft gestaltbar ist. So wird z.B. durch flexiblere Arbeitszeiten eine Steigerung der Qualität der Arbeit und der Lebensqualität der Beschäftigten zugleich möglich.

marketSTEEL: Welche Herausforderungen ergeben sich für den betrieblichen Arbeitsschutz?

Erwin Telöken: Vorbeugender Arbeitsschutz bleibt wichtig, damit Mitarbeiter dauerhaft gesund bleiben. Doch mit sich ständig weiterentwickelnden Technologien müssen auch die Präventionsmaßnahmen angepasst oder neu entwickelt werden. Der Airtracker zeigt hier einen bahnbrechenden Weg, denn er setzt durch sein sensorisches Kontrollsystem bereits vor der Gefährdung an.

marketSTEEL: Was bedeutet dies für die Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz?

Erwin Telöken: Früher hat man die Gefahrenbereiche der Maschinen mit Hilfe von "Zäunen" - ob elektronisch oder mechanisch -  gesichert. Dies ist im Zeitalter von  Industrie 4.0 nicht mehr ganz so einfach möglich, da Mitarbeiter und Maschine sowie verschiedenste Logistiksysteme eng verknüpft miteinander arbeiten müssen. Um diese geänderten Abläufe zu realisieren, wird es notwendig sein bestehende Schutzkonzepte umzubauen. Frühzeitiges Monitoring mit eindeutigen Messwerten durch z.B. den AirTracker hilft hier frühzeitig wirksame Präventivmassnahmen zu ergreifen.

marketSTEEL: Was ist Ihre Vision von Arbeitsschutz 4.0 im Bereich Absaug-technik?

Erwin Telöken: Um ein anwendungsgerechtes Sicherheitskonzept entwickeln zu können, reicht es nicht aus, nur die vorhandenen Gefährdungen zuanalysieren und abzustellen. Es ist notwendig, einen Blick auf alle Daten zu werfen. Gerade im Bereich der Luftreinhaltung lässt sich die Früherkennung so ausbauen, dass das Risiko einer Gefährdungs-Erkrankung fast bei Null liegt. Wir untersuchen und erforschen die Belastungen am Arbeits- und Produktionsplatz ständig und tragen durch den Einsatz von intelligenten Überwachungssystemen so wie innovativen Absaugtechniken vorbeugend zum Schutz der Mitarbeiter bei.

marketSTEEL: Produktentwicklungen und –Innovationen sowie Dienstleistungen von TEKA waren bislang  aus dem Markt heraus getrieben von Anforderungen und Produktionsprozessen. Welche Fragen bzw. Wünsche kamen von Kundenseite?

Erwin Telöken: Immer anspruchsvollere Techniken bzw. die Automation der Produktlinien erfordern auch ein anderes Profil der" Zuarbeit" von TEKA als Dienstleister. Eine Absauganlage ist so ein "Zuarbeiter". Der Kunde wünscht so wenig Stillstand wie möglich durch Wartung, Reparatur oder Störung. Daher ist es wichtig, frühzeitig zu erkennen, wie die einzelnen Parameter aussehen und durch Sensorik Wartungsaufwände zu minimieren.

marketSTEEL: Welche Rolle spielt die Grenzwertabsenkung bis 2018?

Erwin Telöken: Ich denke keine übergeordnete Rolle. Der richtige Ansatz liegt hier eher in guten Präventivmaßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter. Es gilt immer betriebsbedingte Krankheitsausfälle zu vermeiden, auch damit Fehlzeiten nicht kompensiert werden müssen.

marketSTEEL: Wie viel Bedeutung räumen Sie Lösungen im Bereich Industrie 4.0 für die Zukunftssicherung Ihres Unternehmens ein? Heute und in fünf Jahren?

Erwin Telöken: Wir sind Visionär in diesem Bereich und heute schon anderen Marktteilnehmern viele Schritte voraus, wie wir mit dem Airtracker beweisen. Wir werden als Innovationstreiber im Markt gesehen und dadurch entstehen in Gesprächen mit Kunden Impulse für neue Produkte- und Dienstleistungen, die an den globalen Markt angepasst sind. Dennoch lässt sich die weitere Entwicklung von Industrie 4.0 nicht genau beziffern.

marketSTEEL: Wie wird TEKA seinen strategischen Industrie 4.0-Ansatz für Kunden und Händler verständlich und sichtbar machen? Was sind die häu-figsten Fragen und Sorgen?

Erwin Telöken: Hier liegt die größte Herausforderung, denn Industrie 4.0 selbst stellt erst einmal keinen Gewinn dar. Industrie 4.0 sollte als Wegbereiter für neue Produkte oder z.B. produktbezogene Dienstleistungen und verbesserte Arbeits- Produktionsabläufe dienen und kann helfen Kosten in der eigenen Produktion zu reduzieren bzw. Umsatzsteigerungen durch neue oder optimierte Produkte zu erzielen. Wir setzen hier auf gezielte Aufklärung und Schulungen.

marketSTEEL: Welche Qualifizierungs-/Schulungsangebote bietet TEKA für Industrie 4.0-Anwendungen?

Erwin Telöken: Wir bieten besondere Trainingsseminare und viel Praxis-Know how, wie mit der "neuen" Technik umzugehen ist. Besonders unsere technischen Produktmanager werden intensiv geschult. Regelmäßige Treffen, um Kundenfragen zu diskutieren und Experten-Workshops zu speziellen Themen der Absaugtechnik runden unser Angebot ab.

marketSTEEL: Wie lassen sich durch den Airtracker Wettbewerbsvorteile heben?

Erwin Telöken: Durch den Airtracker können Anwender gleich mehrere wichtige Vorteile nutzen: So signalisiert die Geschäftsleitung Produkionsmitarbeitern optimalen Präventionsschutz. Erhebliche Energieeinsparungen für große Filteranlagen sind möglich, da diese nur bedarfsgeführt
laufen müssen. Der Airtracker kann auch die Reduzierung von CO2-Emmisonen fördern. Gerade dies ist wichtig für Firmen, die ihr Umweltmanagement-System nach ISO 14001 zertifizieren lassen wollen. Modernes Service- und Wartungsmangement (kürzere Reaktionszeiten, Ersatzteile on Time, geringere Bevorratung) und optimales Monitoring  - immer wissen, was wann passiert mit Dokumentations-Möglichkeiten nach dem Gesetz - sowie Multi-Sensorik in einem Gerät vereint zu einem äußerst attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis runden die Vorteile ab.

marketSTEEL: Welche Produkte aus der TEKA-Familie lassen sich noch im „Smart Factory“-Style einsetzen?

Erwin Telöken: Dreh- und Angelpunkt ist bei TEKA der AirTracker. Hiermit lässt sich grundsätzlich fast jedes Produkt von TEKA im Smart Factory-Style einsetzen.

marketSTEEL: Wie sieht sich TEKA beim Thema Industrie 4.0 im internationalen Wettbewerb positioniert?

Erwin Telöken: Zur Zeit sind wir in der Branche sicher einer "der" Vorreiter in Sachen Digitalisierung. Wir sind gut gerüstet und werden auch weiterhin in schnellen Entwicklungsschritten neue Ideen nach dem neuesten Stand der (Sensor-) Technik auf den Markt bringen.

 

Quelle und Foto: TEKA Absaug- und Entsorgungstechnik GmbH