Autor: von Alexander Kirschbaum

28.06.2018

Leichtbau der nächsten Generation

Einer der Schwerpunkte lag beim 5. Technologietag Hybrider Leichtbau auf dem Thema Konzept-Leichtbau. „Zu fragen, welche Funktionalität ein Produkt genau erfüllen muss und wie Design und Konstruktion dann aussehen müssen, um diese identifizierten Funktionen zu erfüllen – das verstehen wir unter dem Begriff Konzept-Leichtbau. Es geht darum ein Produkt wirklich von Grund auf als Ganzes komplett neu zu denken“, erklärte Dr. Wolfgang Seeliger, Geschäftsführer der Leichtbau BW. „Der Konzept-Leichtbau ist der Leichtbau der nächsten Generation, mit dem in den kommenden Jahren eine Massenersparnis von nicht nur zehn Prozent möglich ist, sondern zum Beispiel von 50 Prozent oder mehr“, meint Seeliger.

Beim Technologietag wurden erstmals Ergebnisse einer neuen Studie vorgestellt: Prof. Horst E. Friedrich vom DLR Institut für Fahrzeugkonzepte präsentierte in seiner Keynote über zukünftige Leichtbauanwendungen auch das Konzept eines modularen Fahrzeugs. Die Idee dahinter: Ein sogenanntes Driveboard, das sozusagen die fahrende Basis des Fahrzeugs bildet, wird mit Kapseln als Aufbau für verschiedene Einsatzzwecke bestückt. „Durch die Wechselaufbauten kann das Driveboard verschiedene Fahrzeuge ersetzen, die sonst nicht optimal genutzt wären. So kann das Driveboard etwa im Wechsel mit verschiedenen Kapseln den Transport von Personen oder Waren übernehmen“, erklärte Prof. Friedrich.

„Um eine möglichst hohe verfügbare Nutzlast bei den modularen Fahrzeugen zu erreichen und auch die maximalen Achslasten einzuhalten, brauchen wir clevere Beiträge auch vom systemischen Leichtbau – denn wenn man das Gewicht des Fahrzeugs verringern kann, kann man es im gleichen Zug mit einer größeren Ladung bestücken und so ‚das Fahrzeug‘ im Gesamtverkehrssystem besser ausnutzen“, sagte Dr. Gerhard Kopp vom DLR-Institut für Fahrzeugkonzepte.

Konzepte für Mobilität und die Stadt von morgen

Das Expertengespräch am ersten Veranstaltungstag stand unter dem Titel „Neue Perspektiven für den Leichtbau“. Dabei ging es vor allem um Fragen der Mobilität und Architektur der Zukunft. „Die Fahrzeugkonzepte folgen dem Antriebskonzept“, war sich Martin Zeilinger (Leiter der Vorentwicklung bei Daimler Trucks) sicher. Eine zentrale Herausforderung sei dabei die sich innerhalb eines kurzen Zeitabschnitts entwickelte Vielzahl von Antriebskonzepten, die einen entsprechenden Anstieg an komplexen, leichtbauorientierten Fahrzeugaufbaukonzepten nach sich ziehe und der sich daraus abgeleitete Bedarf einer intensiveren Form der Zusammenarbeit zwischen OEM und Lieferant, meinte Dr. Bernhard Wiedemann (TMG Consultants GmbH) und forderte deshalb: „Insbesondere die KMU-Zulieferer benötigen zukünftig einen noch engeren Abstimmungsprozess mit den Tier 1 und den OEM, um sich für die eigene Planung besser orientieren zu können, welche Fahrzeug- beziehungsweise Leichtbaukonzepte verfolgt werden, und um die Umsetzungschance für eigene Ideenansätze im Leichtbauumfeld erhöhen zu können.“

„Die automobile Zukunft beginnt nicht mehr mit einer neuen Technologie oder einer Konstruktionszeichnung“, sagte Prof. Johann Tomforde (TEAMOBILITY GmbH). Für die Erhaltung und Versorgung der Menschen mit Mobilität brauche man ein emissionsarmes und ressourcenschonendes Gesamtsystem. „Das setzt zum einen eine enge Verquickung von Politik sowie kommunaler Stadt- und Quartiersentwicklung mit neuartigen Produktentstehungsprozessen voraus – und auf der anderen Seite brauchen wir die konsequente Umsetzung von ressourcenschonendem Leichtbau“, appellierte Tomforde.

Internationales Teilnehmerfeld

Mit über 300 Besuchern knüpfte der 5. Technologietag wieder an die Teilnehmerzahlen aus dem Vorjahr an. Zur größten Veranstaltung zum hybriden Leichtbau reisten nach Angaben des Veranstalters dabei auch zahlreiche Besucher aus dem Ausland an, zum Beispiel aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Südkorea, der Schweiz oder der Tschechischen Republik. Rund zehn Prozent der Teilnehmer kamen in diesem Jahr aus dem Ausland.

Nach dem Erfolg des vergangenen Jahres wurde der Technologietag 2018 wieder um einen zweiten Veranstaltungstag ergänzt, der ganz im Zeichen des Themas Geschäftsanbahnung stand. Beim B2B-Matching konnten Vertreter von KMUs mit Käufern, Verkäufern und technischen Entwicklern neue Kontakte knüpfen.

Beispiele für Innovation im Leichtbau und Leichtbau zum Anfassen gab es bei der begleitenden Fachausstellung zur Konferenz, bei der elf Unternehmen ihre Leichtbaulösungen präsentierten. Zum Rahmenprogramm gehörte außerdem die Sondershow der Verbundforschungsprojekte Hybrider Leichtbau.

Quelle und Vorschau-Foto: Leichtbau BW GmbH