Autor: von Alexander Kirschbaum

12.03.2018

Brexit: Hohe Kosten für deutsche Industrie

Die direkten Kosten des Brexit werden sich für Unternehmen in der EU27 auf 37 Milliarden Euro und für Unternehmen im Vereinigten Königreich (UK) auf 32 Milliarden Euro belaufe. Dies sind die Ergebnisse der Studie "The 'Red-Tape' Cost of Brexit" der Strategieberatung Oliver Wyman und der Anwaltssozietät Clifford Chance. Demnach entfallen in der EU allein neun Milliarden Euro auf deutsche Unternehmen, 80 Prozent davon auf die Branchen Automobil, Chemie, sonstige Fertigung, Lebensmittel/Getränke und Konsumgüter. 70 Prozent der in Deutschland anfallenden Kosten entstehen in nur vier der 16 Bundesländer - Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen.

Für die Analyse wurden die Auswirkungen von Zöllen und regulatorischen Barrieren berechnet, falls die EU27 und die UK zu einer Handelsbeziehung nach Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) zurückkehren. Der größte Kostenanteil entsteht durch regulatorische Handelsbarrieren; dazu zählen etwa Kosten für Zulassungen oder durch erhöhten Zeitaufwand an der Grenze.

Automobilindustrie besonders betroffen

Finja Carolin Kütz, Deutschlandchefin von Oliver Wyman, sagt: "Über 50 Prozent der deutschen Exporte nach UK sind auf die Automobilindustrie, sonstige Fertigungsindustrie und die Chemiebranche zurückzuführen. Mit ihrer starken Integration in europäische Supply Chains werden sie die Auswirkungen des Brexit besonders stark zu spüren bekommen und ihre Wertschöpfungsketten umstrukturieren müssen."

Die Fähigkeit, die Auswirkungen des Brexit abzufangen, hängt neben der Industrie auch von der Unternehmensgröße ab. Größeren Unternehmen mit Erfahrung im Handel außerhalb der EU wird es laut der Studie leichter fallen, die neue Komplexität zu managen. Für die kleinen wird es schwieriger, sagt Kütz: "Über 60 Prozent der exportierenden kleinen und Kleinstunternehmen in Deutschland handeln nur innerhalb der EU und haben keine Prozesse für den außereuropäischen Handel. Gerade diejenigen, für die UK ein wichtiger Handelspartner ist, müssen ganz neue Kompetenzen aufbauen."

Unabhängig von Branche und Größe gelte es für alle Unternehmen, sich auf unsichere Zeiten vorzubereiten. Denn auch für die großen Hersteller könne es problematisch werden, wenn plötzlich ein Sub-Zulieferer aufgrund der zunehmenden Komplexität ein wichtiges Teil nicht liefern kann. Transparentere Lieferketten können dabei helfen, Engpässen vorzubeugen. Kütz: "Unternehmen müssen sowohl die Kosten des Brexits managen als auch die Chancen nutzen, die sich durch die Neugestaltung von Lieferketten und die Überprüfung der Standortstrategie ergeben. Darauf sind sie zurzeit jedoch noch unterschiedlich gut vorbereitet."

Quelle und Grafik: Oliver Wyman